Angst - Definition einer Angststörung und Hilfestellung für den Bedarfs- und Akutfall

Angst kennt jeder Mensch. Sei es die Angst vor einem Zustand, einem Objekt oder sich generell über vieles zu sorgen. Auch zu den sieben Grundemotionen Wut, Interesse, Ekel, Überraschung, Freude und Traurigkeit zählt die Angst. Angst und Schrecken sind Emotionen, die uns vor etwas bewahren und beschützen. 

Etwa 10 bis 14 Prozent der Deutschen leiden unter einer behandlungsbedürftigen Angststörung. Jeder Vierte zeigt im Laufe seines Lebens zu irgendeinem Zeitpunkt Symptome einer Angsterkrankung. Ängste können auch als Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen, z. B. bei Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Asthma auftreten und stehen häufig im Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen. Insbesondere depressive Symptome überschneiden sich oftmals mit Angststörungen. 


Aber was passiert mit dem Körper, wenn wir Angst haben? Ist es eine Angststörung oder eine lebensbedrohliche Situation? 

Angst entsteht, wenn unsere Sinnesorgane einen bestimmten Reiz wahrnehmen. Sie sehen etwas oder hören ein bestimmtes Geräusch, riechen, schmecken oder spüren etwas. Diese Reize werden in unserem Gehirn erst über den Thalamus und dann ungefiltert an unsere Großhirnrinde weitergeleitet. Die Großhirnrinde interpretiert diese anschließend und ordnet ein, ob diese (lebens)gefährlich sind. Anschließend gelangt diese Information in den Kern unseres emotionalen (limbischen) Systems: die Amygdala. In unserem Angstzentrum wird final entschieden: Haben wir Angst oder flaut die Angstreaktion ab? In zum Beispiel primär eingeschätzt womöglich lebensbedrohlichen Situationen gelangen die Informationen direkt in die Amygdala und wir verspüren Angst, bevor wir die Situation bewusst einstufen können. In diesen Situationen zucken wir zum Beispiel in einer ersten Angstreaktion zusammen. Schlussendlich gelangen die Informationen in unseren Hypothalamus, welcher als Wächter des Gehirns alle vegetativen und hormonellen Prozesse auslöst.

Zum vegetativen Nervensystem gehören  unter anderem unser Sympathikus (innerer Antreiber) und unser Parasympathikus (innerer Beruhiger). Der Antreiber aktiviert in  Angstsituationen zum Beispiel unsere Nebennieren. Diese schütten wiederum die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck erhöht sich und die Muskeln werden besser durchblutet, sie spannen sich an. Auch die Atmung wird beschleunigt und die Pupillen geweitet - wir sind vorbereitet für „Kampf oder Flucht“. All das passiert vollkommen unbewusst und binnen weniger Millisekunden. Die Folge: Wir sind wacher, aufmerksamer und leistungsstärker.

Sobald die Gefahr jedoch identifiziert, beseitigt oder erträglich erscheint, lässt die Aktivierung der Aufmerksamkeit wieder nach. Es kommt zur Gewöhnung der betreffenden Reize und man kann sich langsam wieder entspannen. Hierfür sorgt unter anderem unser Beruhiger. Dieser giert genau andersherum, unsere Pupillen verengen sich, unser Herz schlägt langsamer, unsere Atmung beruhigt sich, die Verdauung wird angeregt, wir beginnen zu schwitzen, unsere Blase möchte entleert werden, wir sind erschöpft usw.. 

Wenn Sie Angst verspüren, bemerken Sie die o.g. Symptome zusammen mit Schwindeln, Zittern, Weinen, Übelkeit. Auch kann es sein, dass Sie keinen klaren Gedanken fassen können und den Eindruck haben, Sie könnten verrückt werden. All dies ist lediglich ein Ausdruck der akuten psychischen Schockreaktion. 


Was können Sie machen, wenn Sie akut starke Ängste und Sorgen haben? 

  • 1. Verlangsamen Sie Ihre Atmung. Das Liegen in Rücken- oder Seitenlage hat meist eine ruhige, regelmäßige Bauch- oder Zwerchfellatmung zum Ziel. Die bei Angst häufig stark beteiligte Brust- und Schulteratmung kann so reduziert werden. 
  • 2. Atmen Sie die Luft durch gespitzte Lippen aus. So wird der Luftstrom etwas abgebremst. Das Einatmen erfolgt, wenn möglich, durch die Nase. Oder Sie machen nach dem Ausatmen ein bis zwei Sekunden Pause, bevor Sie wieder einatmen. 
  • 3. Bewegung lässt den Körper die Stresshormone Adrenalin/Cortisol abbauen, d.h. gehen Sie spazieren, gehen Sie (schneller) mehrmals Treppenstufen oder machen leichte, schnelle  sportliche Übungen, wenn möglich. 
  • 4. Wasser trinken, wenn die Atmung sich bereits etwas kontrollieren lässt. 
  • 5. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson üben und direkt anwenden. Nähere Informationen finden Sie in diesem Artikel: https://www.progressive-muskelentspannung-jacobson.de/anleitung-zur-durchfuehrung-der-progressiven-muskelentspannung-nach-jacobson/
     

Sollten Sie öfter unter Ängsten oder starker Besorgnis leiden, stellen Sie sich eine Art „Notfallkoffer“ zusammen: Schreiben Sie fünf Dinge auf, die Ihnen gut tun, die Sie freudig stimmen, Sie ablenken. Dies können Fotos, Videos, Lieder oder eigens geschriebene Sätze auf einem Notizzettel sein. 

Bei lebensbedrohlichen Symptomen kontaktieren Sie dennoch unbedingt den Notruf und machen sich bei Stabilisierung auf die Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten! Angsterkrankungen sind gut behandelbar und die Statistiken sprechen für eine gute Prognose.

Weitere tolle Hinweise, auch im Umgang mit Angststörungen, finden Sie unter: https://www.psychiatrie.de/psychische-erkrankungen/angststoerungen.html