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Schlaganfälle schnellstmöglich kompetent versorgt

Sieben Jahre telemedizinische Schlaganfallversorgung TEMPiS am Krankenhaus Vilsbiburg

KrankenhausVilsbiburg

Bei einem Schlaganfall sterben pro Minute bis zu zwei Millionen Gehirnzellen ab. Um auch im ländlichen Raum die rasche Wiedereröffnung von verschlossenen Gefäßen im Gehirn sicherzustellen, nimmt das Krankenhaus Vilsbiburg seit Oktober 2013 am telemedizinischen Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung (TEMPiS) teil, dessen Versorgungsstruktur im Januar 2018 um das Flying-Interventionalists-Projekt erweitert wurde. Prof. Dr. Christian Pehl, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus Vilsbiburg, blickt auf die Versorgung von mehr als 950 Schlaganfall-Patienten in den vergangenen sieben Jahren zurück und erklärt, wie das Krankenhaus Vilsbiburg als erste Klinik in der Region Landshut durch die Zusammenarbeit mit TEMPiS eine zerebrale Thrombektomie vor Ort ermöglichen konnte.

Etwa 80 Prozent der Schlaganfälle entstehen, weil ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft und dadurch das umliegende Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. „Viele Blutgerinnsel, die für einen Schlaganfall verantwortlich sind, können durch medikamentöse Therapie, die sogenannte Lyse, aufgelöst werden“, sagt Prof. Dr. Pehl. Dafür arbeiten im Rahmen von TEMPiS die geschulten Ärzte des Krankenhauses Vilsbiburg per Videokonferenz mit neurologischen Spezialisten aus München-Harlaching und Regensburg zusammen, so dass das Blutgerinnsel innerhalb kürzester Zeit direkt vor Ort in Vilsbiburg aufgelöst werden kann.

„In den vergangenen sieben Jahren haben wir mit diesem Konzept mehr als 950 Patienten erfolgreich behandelt“, so Prof. Dr. Pehl. „Durch die kurzen Wege ins Krankenhaus und die rasche Therapie vor Ort konnten wir die Folgen eines Schlaganfalls bei vielen Patienten deutlich reduzieren und wertvolle Lebensqualität erhalten.“ Die meisten Schlaganfall-Patienten, die im Krankenhaus Vilsbiburg behandelt wurden, waren zwischen 70 und 90 Jahre alt – doch auch jüngere Menschen mit Gefäßverschluss im Gehirn wurden versorgt: Etwa 60 Personen waren zwischen 50 und 59 Jahre alt und 30 Menschen sogar jünger als 50 Jahre.
„Wenn ein Blutgerinnsel eine bestimmte Größe erreicht hat, kann es oftmals nicht mehr medikamentös aufgelöst werden, sondern muss mechanisch entfernt werden“, so Prof. Dr. Pehl. Bei der Thrombektomie wird ein dünner Katheter durch die Leiste des Patienten direkt zum Blutgerinnsel im Gehirn eingeführt. Dort breitet sich zur Gefäßwand hin ein hauchdünner Maschendraht aus, der den Thrombus in sein Inneres einschließt und so unter Sog aus dem Gefäß herausgezogen wird.

„Seit Januar 2018 werden Patienten für eine Thrombektomie nicht mehr in das nächstgelegene Interventionszentrum verlegt, sondern ein Neuroradiologe kommt mit dem Hubschrauber bei geeignetem Flugwetter von München-Harlaching oder Regensburg direkt zum Patienten nach Vilsbiburg“, erklärt Prof. Dr. Pehl. „Damit verkürzen wir die Zeitspanne bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes um bis zu 100 Minuten – dies ist ein entscheidender Zeitvorteil, da eine erfolgreiche Schlaganfallbehandlung nur innerhalb von sechs Stunden möglich ist.“ Das Krankenhaus Vilsbiburg war die erste Klinik in der Region Landshut, in der mit Einführung des Flying-Interventionalists-Projekts im Januar 2018 eine zerebrale Thrombektomie vor Ort ermöglicht wurde. Seither konnten bereits mehr als 20 Schlaganfall-Patienten von dieser speziellen Therapie profitieren.

 

Bei Bedarf fliegt der Neuroradiologe mit dem Hubschrauber direkt zum Patienten nach Vilsbiburg. (Bildquelle: München Kliniken)