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Sodbrennen: Vom Alltagswehwehchen bis zur ernsten Erkrankung

Ein nervöser Magen, der bei Stress bei der Arbeit oder zu Hause Alarm schlägt, legt viele Menschen regelrecht lahm. Von leichten Schmerzen bis hin zu einem starken Brennen in der Speiseröhre: Sodbrennen ist für Betroffene unangenehm. Fast jeder Mensch kennt und erlebt es hin und wieder  – häufig bei Stress oder beispielsweise nach einer großen und fettigen Mahlzeit in Kombination mit dem ein oder anderen Glas Alkohol. Im Regelfall verschwinden solche Beschwerden nach kurzer Zeit wieder. Doch gerade wenn Sodbrennen häufiger auftritt und zu einer Belastung im Alltag wird, können auch ernste Erkrankungen dahinterstecken.

Sodbrennen als Beschwerde im Alltag

Bei Sodbrennen gerät Salzsäure aus dem Magen in die Speiseröhre und reizt die dortige Schleimhaut, was zu einem brennenden Gefühl hinter dem Brustbein führt. Neben dem charakteristischen Brennen kann auch ein unangenehmer Druck in der unteren Speiseröhre auftreten. Da Sodbrennen entsteht, wenn Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt, tritt es häufig kurz nach dem Essen auf.

Sodbrennen kommt ungefähr gleich oft bei Männern und Frauen vor. Insbesondere Menschen über vierzig leiden häufiger unter Sodbrennen, da der Schließmuskel am Mageneingang oft mit zunehmendem Alter erschlafft. Auch Alkohol kann dazu führen, dass der Magenschließmuskel die Säure nicht zurückhalten kann und Sodbrennen entsteht. Außerdem können beispielsweise süßes und fettiges Essen, Rauchen, Kaffee und Stress Sodbrennen auslösen.

Besonders häufig leiden übergewichtige Menschen an Sodbrennen: Bei hohem Körpergewicht steigt der Druck im Bauchraum und damit auch im Magen – Flüssigkeit aus dem Magen fließt leichter in die Speiseröhre zurück. Auch Schwangere leiden häufiger unter Sodbrennen, da in der Schwangerschaft der Druck im Bauchraum ebenfalls ansteigt.

Betroffene können das Brennen durch Trinken lindern, besonders Kamillentee, Milch und Karottensaft sind wirksame Helfer. Wenn Sodbrennen häufiger auftritt, kann eine regelmäßige Einnahme von Kieselsäure und Heilerde Abhilfe schaffen. Bei starken Beschwerden können sogenannte Antazida helfen: Medikamente, die die Magensäure reduzieren.
 


Wegen Sodbrennen zum Arzt?

Bei häufigem und lang anhaltendem Sodbrennen, wenn Hausmittel und freiverkäufliche Medikamente nicht helfen und auch eine Umstellung der Ernährung nicht zu Beschwerdefreiheit führt, sollten Betroffene zu einem Arzt gehen. Ein weiteres Alarmzeichen ist nächtliches Husten, das durch das Verschlucken von saurem Mageninhalt entsteht (Aspiration).

Die Diagnostik bei Sodbrennen wird von einem Facharzt für Magen  und Darmerkrankungen – einem Gastroenterologen – durchgeführt. Dieser begleitet den Patienten während der gesamten Behandlung. Die erste und wichtigste Untersuchung ist eine Magenspiegelung, bei der der Arzt sich den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau anschaut und gegebenenfalls Gewebeproben entnimmt. Diese Proben werden dann genauer untersucht, um festzustellen, ob eine chronische Entzündung und/oder eine Infektion mit dem Bakterium „Helicobacter pylori“ vorliegt, die beispielsweise eine Magenschleimhautentzündung verursachen kann.

Während der Magenspiegelung kann der Arzt darüber hinaus erkennen, ob ein Zwerchfellbruch – eine sogenannte axiale Hiatushernie – für die Beschwerden verantwortlich ist. Ein solcher Zwerchfellbruch kann zur sogenannten Refluxerkrankung führen, bei der ein krankhaft gesteigerter Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre zu häufigem und dauerhaftem Sodbrennen führt. Wird während der Untersuchung eine Hernie entdeckt, sollten eine Messung der Leistungsfähigkeit des Magenschließmuskels (Manometrie) und eine Bestimmung des Säurerückflusses in der unteren Speiseröhre über einen ganzen Tag hinweg (24-Stunden-pH-Metrie) erfolgen.
 


Behandlung von Sodbrennen und Refluxerkrankung

Wird durch die Untersuchungen eine Entzündung am Übergang von Speiseröhre und Magen festgestellt, erfolgt zunächst eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern: Säureblockern, die die Säureproduktion im Magen senken. Wenn darüber hinaus eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt, muss diese gleichzeitig behandelt werden – meist wird ein Protonenpumpenhemmer mit Antibiotika kombiniert.

Verträgt ein Betroffener die medikamentöse Dauertherapie nicht oder treten nächtliche Hustenattacken bei gleichzeitigem Sodbrennen auf, kann auch eine Operation sinnvoll sein. Wenn die Ursache für das Sodbrennen in einer axialen Hiatushernie liegt, ist außerdem eine operative Behebung des Zwerchfellbruchs empfehlenswert.

Eine Operation kann nur dann zu einer Besserung führen, wenn das Sodbrennen durch Magensäure ausgelöst wird. Bei anderen Erkrankungen wie beispielsweise einer Magenentleerungsstörung sind für die Behandlung des Sodbrennens andere Maßnahmen notwendig.

Ein operativer Eingriff sollte nur nach mindestens sechsmonatiger konservativer Therapie erfolgen. Die konservative Therapie umfasst eine Anpassung des Lebensstils, die Reduktion von Übergewicht und die Gabe von Medikamenten.
 


Operationsmöglichkeiten bei Sodbrennen

Hiatoplastik

Die axiale Hiatushernie ist eine bestimmte Variante des Zwerchfellbruchs: Dieser liegt dabei an der Stelle des Durchtritts der Speiseröhre durch den Zwerchfellmuskel vor. Dieser Bruch wird in einer Operation durch die sogenannte Hiatoplastik behoben. So liegt der untere Speiseröhrenschließmuskel wieder im Bauchraum und nicht mehr im Brustkorb.


Fundoplikatio

In der sogenannten Fundoplikatio wird der obere Teil des Magens hinter der Speiseröhre hindurchgezogen und an der Magenvorderwand vernäht. Der obere Teil des Magens liegt dann wie eine Manschette eng um die Speiseröhre. Hierdurch wird ein künstliches Schließmuskelsystem geschaffen, das den Rückfluss des sauren Mageninhalts verhindert.

Dabei gibt es die Möglichkeit, die Fundoplikatio als 270-Grad  oder 360-Grad-Manschette durchzuführen. Bei der 270-Grad-Manschette liegt die Magenschlinge nicht komplett um die Speiseröhre – der saure Rückfluss lässt sich sehr gut verhindern, ohne dass das Schlucken selbst behindert wird. Bei der 360-Grad-Manschette wird die Speiseröhre komplett umschlossen. Dadurch können manchmal jedoch Probleme beim Schlucken entstehen. In der Regel wird deswegen die 270-Grad-Manschette angelegt. Die Operation erfolgt in den allermeisten Fällen minimalinvasiv über einen kleinen Schnitt. Eine offene Operation ist nur selten notwendig.


„Sodbrennen kennt jeder von uns – und meist ist es nur ein Zeichen, dass man zu viel fettiges Essen beziehungsweise Alkohol zu sich genommen hat. Wenn Sodbrennen jedoch häufiger als zwei Mal im Monat auftritt oder ein Bezug zu einem spezifischen Auslöser nicht festzustellen ist, empfehle ich eine Abklärung bei Ihrem Arzt.“ (Prof. Dr. Johannes Schmidt)