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Frosch im Hals, Schmerzen beim Schlucken und andere Beschwerden: Über Schluckstörungen

Schlucken ist für uns meistens eine Nebensache. Dabei schluckt ein erwachsener Mensch bis zu 1.000 Mal am Tag – und bemerkt dabei nicht, dass die Muskeln der am Schluckvorgang beteiligten Organe fein abgestimmt miteinander interagieren. Denn im Normalfall funktioniert der Schluckvorgang komplett automatisch, gesteuert von speziellen Zentren im Gehirn. Und dennoch: „Mir ist der Bissen im Hals stecken geblieben“ oder „Ich hab’ einen Kloß im Hals“ sind allseits bekannte Redewendungen.

Dass beim Schlucken ab und an Probleme auftreten, kann normal sein. Wenn jedoch starke Beschwerden entstehen und die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird, liegt eine Schluckstörung vor. Schluckstörungen stellen dabei meistens keine eigenständige Erkrankung dar, sondern sind häufig Symptom anderer zugrunde liegender Krankheiten. Für die Planung der weiteren Behandlung ist daher eine Diagnose der zugrunde liegenden Erkrankung wichtig. Da beim Schluckvorgang viele Organe und Strukturen von der Mundhöhle bis zum Magen beteiligt sind, erfordert die Behandlung einer Schluckstörung häufig die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachbereiche.
 


Wann sind Beschwerden beim Schlucken Anzeichen für eine Schluckstörung?

Vereinzelt auftretende Schluckbeschwerden sind harmlos. Man verschluckt sich eben mal, wenn man „etwas in den falschen Hals bekommen hat“. Ein Verschlucken hier und da, ein kurzer Schmerz, wenn etwas zu schnell getrunken oder gegessen wurde, sind also noch kein Grund zur Sorge.

Eine Schluckstörung (Dysphagie) liegt vor, wenn das Schlucken wiederholte oder sogar dauerhafte und/oder schmerzhafte Probleme bereitet. Betroffene haben das Gefühl, Flüssigkeiten oder Nahrung nur verzögert, erschwert oder gar nicht schlucken zu können.

Bei Vorliegen einer Schluckstörung können verschiedene Beschwerden auftreten. Dazu gehören:

  • Druck- oder Kloßgefühl im Hals oder hinter dem Brustbein
  • Steckenbleiben von Nahrung und/oder Flüssigkeiten in der Kehle
  • Verschlucken von Nahrung, was nach dem Essen/Trinken zu Husten oder sogar zu Luftmangel (Erstickungsanfall) führen kann
  • „feuchte“ oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
  • Herauslaufen von Speichel aus dem Mund
  • gestörte Gefühlswahrnehmung (Sensibilität) im Mund-Rachen-Bereich
  • Beschwerden beim Sprechen wie Heiserkeit oder Stimmlosigkeit (= Stimmstörungen)
  • Sprechstörung
  • kleinere Nahrungsmengen und/oder verminderte Nahrungs  oder Trinkmenge
  • Haltungsveränderungen beim Schlucken, um die Nahrungsaufnahme zu erleichtern, wie beispielsweise Vorneigen des Kopfes
  • unklare Fieberschübe, akute oder wiederkehrende Lungenentzündungen

Darüber hinaus können Einschränkungen beim Schlucken ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Dazu gehören zum Beispiel Mangelernährung, Gewichtsabnahme und Flüssigkeitsmangel, wenn die Nahrungsaufnahme stark erschwert ist. Auch die psychische Belastung der Betroffenen ist groß – sie leiden unter einer stark verminderten Lebensqualität, da Essen und Trinken als Last empfunden werden und große Angst vor der Aufnahme von fester Nahrung und/oder Flüssigkeiten besteht.

Bestehen schmerzhafte oder länger andauernde Probleme beim Schlucken von Flüssigkeiten oder fester Nahrung, sollte die Ursache daher unbedingt durch einen Arzt abgeklärt werden.
 


Gibt es verschiedene Formen von Schluckstörungen?

Schluckstörungen werden anhand der verschiedenen Phasen des Schluckens unterschieden – je nachdem, ob die Schwierigkeiten bereits im Mund (orale Phase), im Rachen (pharyngeale Phase) oder in der Speiseröhre (ösophageale Phase) auftreten.

Von einer Störung der oralen Schluckphase spricht man, wenn die Nahrung bereits im Mundraum nicht richtig aufgenommen oder zerkleinert werden kann. Die Ursache dafür liegt beispielsweise in einem „mangelhaften“ Kauvorgang, bei dem die Nahrung nur sehr langsam oder gar nicht gekaut wird. Auch Probleme mit der Zunge oder ein Mangel an Speichel können dazu führen, dass das Schlucken der Nahrung nicht mehr reibungslos funktioniert. Wenn die aufgenommene Nahrung oder Flüssigkeit ganz oder teilweise in die Luft  statt in die Speiseröhre fließt, liegt eine Schluckstörung in der Rachenphase vor. Symptomatisch dafür sind Husten, Würgen, Gurgeln, aber auch angestrengtes oder geräuschvolles Schlucken, häufig mit offenem Mund.

Die ösophageale Schluckstörung ist durch Probleme beim Weitertransport der Nahrung durch die Speiseröhre bis zum Magen gekennzeichnet, sodass diese sprichwörtlich im „Halse stecken bleibt“. Es kommt zu Beschwerden wie Aufstoßen oder Hochwürgen bereits geschluckter Nahrung, Schmerzen oder einem Druck  bzw. „Kloßgefühl“ im Hals oder hinter dem Brustbein.

Weiterhin können Schluckstörungen abhängig von der Konsistenz der zu schluckenden Nahrungsmittel auftreten. Bereitet das Schlucken von Flüssigkeiten Schwierigkeiten, deutet das auf Probleme der übergeordneten Steuerung des Schluckvorgangs hin – insbesondere wenn Betroffene sich darüber hinaus häufig verschlucken.

Bei Problemen mit festen Speisen liegen meistens organische Ursachen zugrunde. Dazu gehören beispielsweise Verengungen der Speiseröhre oder des Rachens oder in seltenen Fällen Tumoren. Wenn sowohl flüssige als auch feste Nahrung schlecht geschluckt werden kann, kann das auf eine Bewegungsstörung in der Speiseröhre beziehungsweise eine Störung beim Übergang von der Speiseröhre zum Magen hinweisen.
 


Warum können Schluckstörungen auftreten?

Schluckstörungen entstehen als Symptom verschiedener Grunderkrankungen. Zu den Auslösern gehören Erkrankungen und Veränderungen in Mundhöhle, Rachenbereich oder Speiseröhre. Dabei handelt es sich beispielsweise um Entzündungen, muskuläre Probleme, Verengungen oder Infektionen. Auch neurologische Ursachen wie beispielsweise ein Schlaganfall oder Morbus Parkinson können Schluckstörungen zur Folge haben. In manchen Fällen entstehen Beschwerden beim Schlucken als Komplikation nach bestimmten Operationen.
 


Wie werden Schluckstörungen diagnostiziert?

Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie sind bei Schluckstörungen sehr wichtig, da diese unbehandelt zu immer weiteren Problemen führen und auch ernste Begleitsymptome wie insbesondere Gewichtsverlust nach sich ziehen können.

Wenn die Schluckbeschwerden im Mund oder Rachen auftreten, wird der Betroffene in der Regel von seinem Hausarzt an einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten (HNO-Arzt) überwiesen. Wird der Grund der Beschwerden eher im Bereich der Speiseröhre oder des Magens vermutet, führt der Weg eher zum Magen-Darm-Spezialisten (Gastroenterologe). Handelt es sich womöglich um Nerven  oder Muskelerkrankungen, ist ein Neurologe der richtige Ansprechpartner. Aber auch Hautärzte können die richtigen Ärzte sein, wenn es sich um Krankheiten der Mundschleimhaut handelt. Gegebenenfalls werden auch Lungen  oder Herzspezialisten, Schilddrüsenexperten oder Rheumatologen hinzugezogen – je nachdem, worin die Ursache der Beschwerden liegt.

Hilfe finden Betroffene außerdem bei Logopäden sowie Physio  oder Ergotherapeuten. Diese Fachleute sind im Regelfall an der Behandlung beteiligt, wenn es sich um neurologisch bedingte Schluckstörungen handelt.

Der HNO-Spezialist wird in erster Linie den Mund und Rachen inspizieren und gegebenenfalls eine Kehlkopf , Speiseröhren  oder Luftröhrenspiegelung anordnen. Auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) dieser Organe kann bei der Diagnostik von Schluckstörungen sinnvoll sein.

Ein Gastroenterologe führt zur Diagnostik von Schluckstörungen im Regelfall eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen durch. So kann festgestellt werden, ob organische Ursachen – also Veränderungen am Gewebe oder eine Refluxerkrankung [Link Artikel Sodbrennen] – für die Beschwerden verantwortlich sind.

Nach Ausschluss organischer Ursachen wird untersucht, ob eine sogenannte Funktionsstörung vorliegt. Von Funktionsstörung spricht man, wenn ein Organ oder ein Teil des Organs seine Funktion nicht mehr erfüllt. Dafür gibt es verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten wie beispielsweise eine Speiseröhrendruckmessung (Ösophagusmanometrie) oder eine Messung des Magenrückflusses in die Speiseröhre (pH-Metrie/Impedanzmessung).
 


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Schluckstörungen?

Die Behandlung von Schluckstörungen hängt von der jeweiligen Ursache ab und erfolgt individuell auf die Bedürfnisse und Wünsche des Betroffenen angepasst. Grundsätzlich muss zwischen einer ursächlichen (kausalen) Behandlung und einer symptomatischen Therapie unterschieden werden, bei der nur die Beschwerden des Betroffenen gelindert werden, die zugrunde liegende Erkrankung jedoch nicht behandelt wird. Eine kausale Therapie kann demnach nur dann durchgeführt werden, wenn die Ursache der Beschwerden bekannt ist und gezielt behandelt werden kann.

Auch mit einer symptomatischen Therapie kann eine deutliche Abnahme der Beschwerden erreicht werden. Symptomatische Behandlungsmaßnahmen sind beispielsweise schlucktherapeutische Übungsbehandlungen bei Schluckproblemen zwischen Mund, Rachen und Speiseröhre (Einschluckstörungen) durch speziell geschulte Therapeuten (z. B. Ärzte, Sprachheilpädagogen, Logopäden).

Die Möglichkeiten, Schluckstörungen durch Medikamente zu verbessern, sind begrenzt. Bei bestimmten Ursachen kann jedoch mit der Gabe von Arzneimitteln eine Besserung erreicht werden. Dazu gehören beispielsweise Schluckstörungen, die mit dem Rückfluss von saurem Magensaft in die Speiseröhre (Refluxerkrankung) zusammenhängen. Diese sprechen gut auf eine Behandlung mit Säureblockern an.

Bei bestimmten Auslösern wie Schlaganfall oder Muskelerkrankungen werden Bewegungsübungen der Mund-Rachen-Muskultur, Kau  und Kräftigungsübungen, Atemübungen, Stimulationsübungen sowie auch die Anwendung von thermischen Reizen oder Klopfmassagen eingesetzt. Auch operative Maßnahmen können zur Therapie von Schluckstörungen sinnvoll sein.

Für Betroffene ist es wichtig, bei Schluckbeschwerden nicht in Panik zu verfallen. Oft sind Schluckstörungen nur von kurzer Dauer und nicht gefährlich. Betroffene sollten insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr von Kalorien, Eiweiß, Vitaminen und Flüssigkeit achten und ihr Gewicht regelmäßig kontrollieren. Um das Risiko einer Lungenentzündung zu verringern, sollten Betroffene beim Verschlucken gut abhusten – hier zählt die Gesundheit vor der Etikette.