Wissen

Darmkrebs: Risiken und Prävention

„Darmkrebs? Ich bin vierundvierzig. Das geht mich doch nichts an.“ So denken immer noch viele Menschen in Deutschland. Dabei liegt unser Land bei den Neuerkrankungen im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Neben anderen Faktoren werden Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil dafür verantwortlich gemacht. Die gute Nachricht: Mit bestimmten Verhaltensweisen kann man das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, verringern.

Lebensstil und Ernährung

Der Mensch ist, was er isst. Auch im Zusammenhang mit der Entstehung von Darmkrebs spielt die Ernährung eine wichtige Rolle – und eröffnet dadurch für jeden Einzelnen die Möglichkeit vorzusorgen. Im Allgemeinen ist unsere Ernährungsweise zu fleisch  und fettlastig. Rund sechzig Kilogramm Fleisch essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr, bei fünfundachtzig Prozent kommen Fleisch und Wurst fast täglich auf den Tisch.
 

  • Fisch statt Fleisch

    Insbesondere rotes Fleisch, das Muskelfleisch von Rind, Schwein, Lamm oder Wild, gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs. Ursächlich hierfür sind krebserregende Stoffe, die bei der Erhitzung von im roten Fleisch enthaltenen Blutbestandteilen entstehen. Es wird empfohlen, rotes Fleisch nicht mehr als einmal wöchentlich zu essen und stattdessen lieber auf Geflügel oder besser noch auf Fisch auszuweichen. Fisch führt dem Körper gesunde Fette, sogenannte Omega-Fettsäuren, zu und sollte daher auf keinem Speiseplan fehlen. Innereien wie Leber oder Nieren sind nicht selten mit Schwermetallen belastet, die die Tiere über ihre Nahrung aufnehmen, und sollten nicht mehr als einmal im Monat verzehrt werden.

  • Den Fettnapf meiden

    Mit viel Fleisch ist oftmals viel Fett verbunden. Fettreiche Ernährung fördert die Entwicklung von Übergewicht. Übergewicht wiederum führt zu einem höheren Insulinspiegel im Blut und kann dadurch die Entstehung und das Wachstum von Darmkrebs fördern. Und nicht nur von Darmkrebs. Auch andere Krebsarten wie beispielsweise Brust-, Magen- oder Gebärmutterkrebs treten bei übergewichtigen Patienten deutlich häufiger auf.

  • Buntes auf den Teller

    Studien zeigen, dass Vitamine, insbesondere Vitamin C, Vitamin E und Folsäure, sowie Spurenelemente wie Selen dabei helfen können, das Krebsrisiko zu verringern. Noch ein Grund mehr, Obst und Gemüse zu essen. Die tägliche Dosis ohne ärztliche Anweisung durch Einnahme von Vitamin  oder Selentabletten zu erhöhen, ist nicht empfehlenswert, da dies nicht nur keinen Zusatznutzen bringt, sondern sogar schädlich sein kann. Besser ist eine Ernährung mit Vollkornprodukten und viel Obst und Gemüse, die die Schleimhautzellen im Dickdarm mit wichtigen Nähr  und Schutzstoffen versorgt. Zudem wirken die darin enthaltenen Ballaststoffe einer Verstopfung entgegen. Dadurch wird die Kontaktzeit von in der Nahrung enthaltenen krebserregenden Stoffen mit den Schleimhautzellen des Dickdarms vermindert.

  • Bewusste Ernährung statt Stress mit Diäten

    Chips im Fernsehsessel, Gummibärchen im Auto. Plötzlich ist die Tüte leer. Bewusster Genuss macht mehr Freude und ist gesünder. Strenge Diäten hingegen sind keine Lösung. Dem kurzfristigen Erfolg folgt allzu oft die Ernüchterung auf der Waage. Wesentlichen Anteil am Jo-Jo-Effekt hat übrigens unser Dickdarm. Wird die Ernährungszufuhr stark gedrosselt, schalten die Bakterien im Dickdarm auf maximale Ausnutzung der verbliebenen Nahrung um und stellen dem Körper zusätzlich Fettsäuren zur Verfügung. Das tun sie auch noch nach Ende der Diät für einen längeren Zeitraum, sodass letztendlich bei gleicher Ernährung mehr Kalorien im Körper aufgenommen werden.


    „Sollten Sie stärkere Probleme mit Übergewicht haben, vereinbaren Sie einen Termin in unserem Adipositaszentrum. Hier erhalten Sie kompetente Beratung.“ Prof. Dr. Christian Pehl

  • Alkohol und Nikotin

    Ein sehr bedeutender Faktor für die individuelle Krebsvorsorge sind der Alkoholkonsum und das Rauchen. Neben seiner Rolle als Lieferant unnötiger Kalorien erhöht regelmäßiger Alkoholkonsum das Krebsrisiko. Allgemein bekannt ist, dass Rauchen der Hauptrisikofaktor für Lungen  und Kehlkopfkrebs ist. Aber auch das Risiko, an einem Dickdarmkrebs zu erkranken, verdoppelt sich.

    „Ich kann Ihnen daher nur raten: Reduzieren Sie den Alkoholkonsum auf ein vernünftiges Maß, und versuchen Sie alles, um das Rauchen zu beenden.“ Prof. Dr. Christian Pehl
     

  • Regelmäßige Bewegung

    Bewegung tut gut! Regelmäßige sportliche Betätigung senkt das Krebsrisiko erheblich, nicht nur, aber auch für den Dickdarmkrebs. Dieser Effekt gilt für Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Fahrradfahren oder Schwimmen genauso wie für Kraftsportarten, denn: 


     „Nur wenn Sport Spaß macht, werden Sie es auch regelmäßig tun, also mindestens dreimal, besser fünfmal pro Woche für zumindest dreißig Minuten. Denken Sie bei der Dosierung der Belastung daran, dass Sie nicht sofort ein Spitzenathlet sind, wenn Sie bisher ein Bewegungsmuffel waren. Fangen Sie klein an, und steigern Sie Intensität und Dauer allmählich. Bauen Sie mehr Bewegung aber auch in den Alltag ein, indem Sie beispielsweise statt des Aufzugs die Treppe nehmen oder mit dem Fahrrad zum Bäcker fahren, um die Sonntagsbrötchen zu holen. Bewegung unterstützt auch das Abnehmen, allerdings nur dann effektiv, wenn Sie zusätzlich Ihre Ernährung umstellen.“ Prof. Dr. Christian Pehl
     


Familiäres Risiko für Darmkrebs: Genetische Belastung und familiäre Häufung

Darmkrebs kann auch als vererbbare Erkrankung auftreten, dies betrifft etwa fünf Prozent aller Erkrankten. Von einem erblichen Darmkrebs spricht man, wenn bekannte und durch eine Blutuntersuchung nachweisbare Veränderungen im Erbgut entscheidend an der Entstehung beteiligt sind. An einen erblichen Darmkrebs ist immer zu denken, wenn:

  • in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Generationen ein Dickdarmkrebs (bei Frauen alternativ ein Gebärmutterhalskrebs) auftritt,
  • mindestens drei Verwandte betroffen sind,
  • bei einem Verwandten 1. Grades Dickdarmkrebs im Alter unter fünfundvierzig Jahren und/oder Polypen/Adenome (gutartige Krebsvorstufen) bei der Darmspiegelung bereits unter vierzig Jahren gefunden werden.

Liegen ein oder mehrere dieser Risikokonstellationen vor, kann auf Wunsch eine Gendiagnostik erfolgen. Bei Nachweis einer genetischen Veranlagung werden die Vorsorgemaßnahmen intensiviert: Die Darmspiegelung (Koloskopie) wird dann bereits im jungen Erwachsenenalter durchgeführt und in deutlich verkürzten Zeitabständen wiederholt.

Sehr viel häufiger als der erbliche Darmkrebs liegt ein familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko vor (jeder vierte bis fünfte Patient mit Darmkrebs). Alle Menschen mit einem Verwandten, bei dem im Dickdarm Polypen (Adenome) oder gar ein Dickdarmkrebs festgestellt wurden, sollten daher unbedingt die Angebote zur Vorsorgekoloskopie wahrnehmen. Bei erhöhtem familiären Risiko sollte die erste Darmspiegelung zudem bereits zehn Jahre vor dem Alter des Auftretens der Darmerkrankung in der Verwandtschaft und nicht erst ab dem fünfundfünfzigsten Lebensjahr erfolgen. Wiederholungen sind dann alle fünf statt wie üblich alle zehn Jahre empfehlenswert.

"Gerne stehen wir Ihnen zur Beratung zur Verfügung, falls Sie Fragen zu Ihrem individuellen Risiko haben oder bezüglich der optimalen Krebsvorsorge eine Empfehlung wünschen." (Prof. Dr. Christian Pehl)



Weitere Risikofaktoren

Patienten mit einer mit Übergewicht einhergehenden Zuckererkrankung (Typ-2-Diabetes) haben unabhängig von einer gegebenenfalls vorliegenden familiären Belastung ein deutlich erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes versucht der Körper, die erhöhten Blutzuckerspiegel durch eine maximale Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse zu senken – ohne dass ihm dies jedoch komplett gelingt. Erhöhte Insulinspiegel bewirken aber nicht nur Veränderungen im Blutzuckerspiegel und im Fetthaushalt des Körpers. Erhöhte Insulinspiegel im Blut führen auch zu einem beschleunigten Wachstum von Zellen – auch von Tumorzellen. Patienten mit einem Typ-2-Diabetes wird daher dringend empfohlen, die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Der optimale Zeitpunkt für eine erste Vorsorgekoloskopie auch ohne familiäre Vorbelastung wäre das fünfzigste Lebensjahr, da von hier an das Darmkrebsrisiko altersbedingt stark ansteigt.

Betroffene mit Typ-2-Diabetes sollten immer daran denken, dass nicht nur das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht ist, sondern auch das Risiko für eine Vielzahl weiterer Krebserkrankungen, beispielsweise der Lunge, der Brustdrüse und der Gebärmutter. Besprechen Sie daher mit Ihrem Hausarzt, Ihrem Frauenarzt oder auch gerne mit uns, ob weitere Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind.

Eine weitere Patientengruppe mit erhöhtem Darmkrebsrisiko sind Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Bei diesen Patienten beruht das Darmkrebsrisiko auf einem gänzlich anderen Mechanismus. Jede chronische Entzündung, unabhängig vom Ort ihres Auftretens, erhöht das Krebsrisiko im Entzündungsareal. Voraussetzung ist dabei jedoch, dass die Entzündung wirklich „chronisch“, das heißt nahezu dauerhaft vorliegt. Einzelne Entzündungsschübe, auch wenn diese einige Wochen andauern, erhöhen das Risiko nicht relevant. Erhöhte Vorsorgemaßnahmen werden nach achtjähriger chronischer Entzündung des gesamten Dickdarms oder fünfzehnjähriger chronischer Entzündung des linksseitigen Dickdarms notwendig. Hier muss dann alle ein bis zwei Jahre eine Vorsorgekoloskopie erfolgen.
 

"Darmkrebs kann jeden Menschen treffen. Auch wenn vornehmlich Menschen in der zweiten Lebenshälfte erkranken, bedeutet es nicht, dass junge Menschen davor gefeit sind. Jeder sollte sich die Familiengeschichte anschauen, mit Eltern oder Großeltern sprechen, denn Darmkrebs tritt nicht selten familiär gehäuft auf. Ein gesünderer Lebensstil mit entsprechender Ernährung und Bewegung wirkt nachweislich risikosenkend. Und nicht zuletzt sollten Früherkennungsmaßnahmen wie Stuhltests und Darmspiegelung selbstverständlich sein." (Prof. Dr. Christian Pehl)