Gastrointestinale Schrittmacher

Wissenschaftliche Studien in der Neurogastroenterologie erbrachten zunehmende Kenntnisse über die Bewegungsmuster des Magen-Darm-Traktes und ihrer nervalen Feinregulation. Dadurch ist es möglich geworden, gezielt Schrittmachersysteme zu entwickeln, die bei Störungen unterstützend eingreifen können. Am Zentrum für Neurogastroenterologie des Krankenhauses Vilsbiburg bestehen in der Zusammenarbeit der Medizinischen Klinik und der Viszeralchirurgischen Klinik das theoretische Wissen sowie die technischen Voraussetzungen, um als eines der wenigen Zentren in Deutschland diese Schrittmachersysteme implantieren (einbauen) zu können.

1. Enterra-Magenschrittmacher

Indikation:
Behandlung von chronischer Übelkeit und Erbrechen in Zusammenhang mit Gastroparese (Magenlähmung).

Ziel:

  • Reduktion von Übelkeit und Erbrechen
  • Übergang von einer künstlichen Ernährung/Sondenernährung auf normale Nahrungsaufnahme


Info/Technik:
Die Magenschrittmachertherapie mit dem Enterra-System ist für die Behandlung von chronischer Übelkeit und Erbrechen in Zusammenhang mit Gastroparese indiziert, wenn medikamentöse Behandlungsmethoden erfolglos gewesen sind. Gastroparese beschreibt einen Zustand, bei dem die Nahrung langsamer als normal durch den Magen bewegt wird. Bei manchen Patienten führt dieser Zustand zu schwerer, anhaltender Übelkeit und Brechanfällen, die mit verfügbaren Medikamenten nicht angemessen behandelt werden können. Diese Patienten haben Schwierigkeiten, aufgenommenes Essen bei  sich zu behalten, was zur zunehmenden Gewichtsabnahme führt. Daher muss häufig eine künstliche Ernährung über eine Sonde oder sogar über einen Venenkatheter erfolgen, um eine ausreichende Nahrungsaufnahme sicher zu stellen.
Bei der Magenschrittmachertherapie wird der Magen durch leichte elektrische Reize stimuliert. Mit dieser elektrischen Stimulation können die bei Gastroparese auftretenden Symptome wie Übelkeit und Brechreiz kontrolliert werden. Der Magenschrittmacher Enterra umfasst einen Stimulator, zwei Elektroden für die Magenwand und ein externes Programmiergerät. Die Implantation des Stimulators und der Elektroden erfolgt unter Allgemeinnarkose minimalinvasiv (laparoskopisch). Die Elektroden werden in der Muskelwand des Magens eingebracht und dann an den Stimulator angeschlossen. Dieser wird unter der Haut, gewöhnlich unterhalb des Brustkorbes und oberhalb der Taille im Bauchraum positioniert. Der Eingriff ist dabei reversibel, denn der Stimulator kann vom Arzt jederzeit abgeschaltet werden. Diverse Parameter und Stimulationsbetriebsarten können, den medizinischen Anforderungen folgend, über das externe Programmiergerät telemetrisch programmiert werden.

2. Sakraler Nervenstimulator (Kreuzbeinstimulator)

Indikation:
Stuhlinkontinenz (Stuhlhalteschwäche)
Ziel:
Wiedererlangung der Stuhlgangskontrolle (Kontinenz).
Info/Technik:
Das Schrittmachersystem besteht aus den Stimulationselektroden sowie der Batterie. Im Rahmen eines kleinen Eingriffes werden die Schrittmacherelektroden durch die Haut und durch die Nervenöffnungen des Kreuzbeins direkt an die den Schließmuskel versorgenden Nerven angelagert. Dabei wird individuell die optimale Elektrodenlage während der Operation ausgetestet um einen maximalen Effekt zu erzielen. Die Elektroden werden dann zunächst mit dem Stimulator außerhalb des Körpers verbunden und dieser unter einem Verband getragen. Dadurch kann man für 2-3 Wochen testen, ob der Schrittmacher den gewünschten Effekt bzgl. der Kontinenzfunktion aufweist. Sollte dies der Fall sein, was bei geeigneter Auswahl bei bis zu 80% der Patienten der Fall ist, wird in einem zweiten kleinen Eingriff der Stimulator im vorderen Beckenbereich unter die Haut eingepflanzt. Über ein äußeres Programmiergerät kann im Verlauf ggf. noch eine Feinjustierung der Stimulationscharakteristika erfolgen, um die Leistung weiter zu optimieren.

Bei weiteren Fragen zum System bzw. der Technik bzw. zur Abklärung, ob sie für dieses System geeignet sind, wenden sie sich an: Prof. Dr. C. Pehl, Chefarzt Medizinische Klinik, Krankenhausstr. 2, 84137 Vilsbiburg, Tel.Nr. 08741/60-3153, Fax.Nr. 08741/60-3204