Thermoablation von Schilddrüsenknoten (Radiofrequenzablation RFA)

Die Thermoablation von Schilddrüsenknoten - oder Radiofrequenzablation (RFA) als die am häufigsten verwendete Technik - ist eine moderne und sehr gezielte Therapie einzelner Schilddrüsenknoten. Durch eine Erwärmung des Gewebes verändert sich der Schilddrüsenknoten und wird innerhalb von Wochen bis Monaten vom Körper abgebaut. Damit entsteht eine deutliche Verkleinerung des Knotens von zumeist bis zu 70%. Der große Vorteil dieser Methode ist, dass durch die gezielte Therapie das restliche Schilddrüsengewebe seine Funktion behält und damit keine Schilddrüsenhormontherapie nach der RFA notwendig ist. 


Für wen ist eine Radiofrequenzablation geeignet? 
Die Radiofrequenzablation ist zur Behandlung gutartiger Schilddrüsenknoten geeignet, die z.B. lokale Beschwerden (z.B. Globusgefühl, Druck im Hals) verursachen und/ oder kosmetisch störend sind. Dabei ist für einen guten Therapieerfolg die individualisierte Planung der Therapie wichtig. Dies umfasst vor allem eine umfassende Untersuchung mittels unter anderem Sonographie. 

  • Voraussetzung RFA: benigner Knoten
  • Indikation RFA:    
    • Solide Knoten ab 3 cm Größe
    • Knoten mit Lokalbeschwerden und/ oder kosmetischen Beschwerden
    • Autonome Adenome
    • Zystische Knoten
    • Rezidivknoten 


Wie läuft die Radiofrequenzablation RFA ab?
Die RFA erfolgt im Rahmen eines stationären Aufenthaltes von in der Regel zwei Tagen. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Man benötigt für die Einführung der Sonde einen ca. 2 mm messenden Hautschnitt. Die Dauer des Eingriffes richtet sich nach der Knotengröße. 


Was ist im weiteren Verlauf zu beachten?

  • Im Verlauf sollte eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte erfolgen. Dabei ist in der Regel keine Einstellung mit Schilddrüsenhormonen notwendig. 
  • Die Dauer einer Krankschreibung beträgt ca.  eine Woche. 
  • Da der behandelte Knoten im Verlauf an Größe verliert, sind zudem sonographische Kontrollen nach drei, sechs und zwölf Monaten empfohlen. 

Therapieoptionen bei einem Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten sind kein seltener Befund. Bei den ersten diagnostischen Schritten sollte zunächst eine mögliche bösartige Veränderung ausgeschlossen werden. Dies gelingt über eine Ultraschalluntersuchung, ggf. ergänzt durch eine Feinnadelpunktion. Eine weitere diagnostische Option ist eine MIBI Szintigraphie. 

Wenn ein eindeutiger benigner (gutartiger) Befund bestätigt ist, stellt sich die Frage nach einer weiteren therapeutischen Notwendigkeit sowie möglichen Therapieoptionen. Nicht störende Knoten ohne lokale Beschwerden müssen nicht therapiert werden. Empfohlen sind allerdings jährliche sonographische Verlaufskontrollen. Sollten Lokalbeschwerden bestehen oder der Knoten als kosmetisch störend empfunden werden, ist eine weitere Therapie sinnvoll. Medikamentöse Therapien haben keinen Effekt auf die Knotengröße. Damit besteht die Option einer Operation oder, als neue Therapiemöglichkeit, einer Radiofrequenzablation. Die Indikationsstellung erfolgt individuell nach Ultraschall und ausführlicher Beratung. 

In der folgenden Tabelle sind verschiedene Aspekte der beiden Therapieoptionen Schilddrüsenoperation und Radiofrequenzablation gegenübergestellt.

 Operation der SchilddrüseRadiofrequenzablation
TherapieeffektUnmittelbarKnotenverkleinerung über Monate
HistologieDefinitive histologische AbsicherungAbklärung vor der Intervention mit hoher, aber nicht 100%iger Sicherheit
OperationsablaufVollnarkoseÖrtliche Betäubung
Dauer stationärer AufenthaltDrei TageZwei Tage
Kosmetisches ErgebnisIn der Regel sehr gut bei Einzeichnung des Schnittes vor OPSehr gut; Zwei  Millimeter messende Hautinzision
Komplikationen - StimmbandnervVerletzung des Stimmbandnervs mit permanenter Heiserkeit 1%Verletzung des Stimmbandnervs mit permanenter Heiserkeit <1%
Komplikationen - NebenschilddrüsenUnterfunktion der Nebenschilddrüsen möglichEntfällt
Einnahme SchilddrüsenhormonAbhängig vom ResektionsausmaßIn der Regel nicht notwendig
LangzeitergebnisKein Rezidiv auf der betroffenen Seite zu erwartenGgf. erneutes Knotenwachstum oder nicht ausreichender Therapieerfolg. Bei einer dann notwendigen Operation kann diese ggf. erschwert sein.
KontraindikationenErhöhtes Narkoserisiko des Patienten; strenge Indikationsstellung bei FolgeeingriffenBei zahlreichen knotigen Veränderungen; bei Knotenlage in der Nähe des Stimmbandnervs; bei möglicher Malignität

Das autonome Adenom - der "heiße" Knoten

Ein autonomes Adenom ist ein isolierter Schilddrüsenknoten mit einer vermehrten Aktivität. Dies lässt sich in einer Schilddrüsenszintigraphie darstellen. Von autonomen Adenomen unterscheiden muss man eine multifokale Autonomie (mit mehreren autonomen Adenomen), eine disseminierte Autonomie (Überfunktion im Bereich der gesamten Schilddrüse) sowie einen Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion bedingt durch Schilddrüsen-Autoantikörper). 

Autonome Adenome sollten in der Regel behandelt werden, da sie bedingt durch die erhöhte Schilddrüsenhormonproduktion zu einer Hyperthyreose führen können mit begleitenden klinischen Beschwerden, wie u.a. Unruhe, Herzrasen, Stimmungsschwankungen. 

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kann als erste Maßnahme eine medikamentöse Therapie mit Thyreostatika erfolgen. Diese normalisieren die Schilddrüsenwerte. Als Dauertherapie sind sie nur im Einzelfall zu empfehlen, da sie schwerwiegende Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen oder Erhöhung der Leberwerte bedingen können. 

Die Radioiodtherapie ist bei autonomen Adenomen die allgemein empfohlene Therapieoption. Sie bedingt durch eine gezielte Bestrahlung der Schilddrüse einen sehr guten Therapieeffekt. Dabei wird neben dem Adenom allerdings das gesamte Schilddrüsengewebe mitbehandelt mit z.T. im Verlauf notwendiger Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Großer Vorteil der Radioiodtherapie ist die fehlende Invasivität. Die Therapie ist schmerzfrei, ohne kosmetisch störende Narben oder Stimmbandnervläsionen. 

Bei einer Operation besteht ein sofortiger Therapieeffekt. Sie hat den Vorteil, dass durch Entfernung von nur einer Schilddrüsenseite häufig keine Schilddrüsenhormontherapie im Verlauf notwendig ist. Nachteilig sind mögliche Risiken der Operation, d.h. Verletzungen des Stimmbandnervs sowie Unterfunktion der Nebenschilddrüse. 

Als neue Therapiemöglichkeit besteht die Option der Radiofrequenzablation (RFA). Hier wird gezielt nur das Autonome Adenom behandelt und das gesunde Schilddrüsengewebe belassen. Als mögliche Komplikation kann hier ebenfalls eine Irritation des Stimmbandnervs auftreten. In der Literatur ist aktuell ein Therapieerfolg von 80% nach zwölf Monaten beschrieben1. Damit ist die RFA aktuell als Zweitlinientherapie empfohlen, wenn eine Radioiodtherapie oder eine Operation nicht gewünscht sind2
 

1 Cesareo R, Palermo A, Benvenuto D, Cella E, Pasqualini V, Bernardi S, Stacul F, Angeletti S, Mauri G, Ciccozzi M, Trimboli P. Efficacy of radiofrequency ablation in autonomous functioning thyroid nodules. A systematic review and meta-analysis. Rev Endocr Metab Disord. 2019 Mar;20(1):37-44. doi: 10.1007/s11154-019-09487-y. Erratum in: Rev Endocr Metab Disord. 2019 Apr 26.
2 Cesareo R, Palermo A, Pasqualini V, Manfrini S, Trimboli P, Stacul F, Fabris B, Bernardi S. Radiofrequency Ablation on Autonomously Functioning Thyroid Nodules: A Critical Appraisal and Review of the Literature. Front Endocrinol (Lausanne). 2020 May 22;11:317. doi: 10.3389/fendo.2020.00317.