Wie entsteht eine Depression und was können Sie tun?

Jedes Jahr erkranken ca. vier Millionen Menschen NEU an einer Depression, die bereits diagnostizierten Patienten nicht eingerechnet. Somit bildet die Depression neben Angst- und Suchterkrankungen die häufigste psychische Erkrankung in Deutschland bei Frauen sowie Männern. Die Depression gehört zu den sogenannten Affektiven Störungen. Affektive Störung bezeichnet eine (von der Norm abweichende) gedrückte Stimmung.


Viele fragen sich: Was ist die Norm? Wie erkenne ich, was nicht „normal“ ist? 

Erleben wir einen Verlust, leiden an einer Erkrankung oder erfahren sonstige, für jeden individuell schwer verarbeitende, familiäre, berufliche und/oder soziale Veränderungen, können verschiedene Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen entstehen. Die Psyche und der Körper verändern sich und infolgedessen das Verhalten. Der Alltag ist schwerer zu bewältigen, soziale Kontakte, aber vor allem die Fürsorge für einen Selbst, fallen schwer. In diesen Fällen gibt es Hilfen, die Sie in Anspruch nehmen können. Die Wartelisten bei Psychologen und Psychotherapeuten sind meist sehr lang. Nichtsdestotrotz möchte ich Sie ermutigen, die Kollegen zu kontaktieren und anzufragen – auch mehrmals. Darüberhinaus gibt es einen kostenlosen 24-Stunden-Seelsorge-Telefondienst (0800-1110111/0800-1110222) und den hiesigen Sozialpsychiatrischen Dienst und Psychosozialen Dienst, welche Hausbesuche durchführen. In akuten Fällen bleibt, ebenfalls 24-Stunden zugänglich, die Vorstellung in der nächstgelegenen Psychiatrischen Notaufnahme. 

Eine nicht-funktionale Verarbeitung eines Todesfalls, einer schwer zu verarbeitenden Erkrankung, Trennung des Partners oder Verlust des Arbeitsplatzes etc. kann völlig normal sein. Psychische und körperliche Veränderungen und Belastungen können auftreten, uns zusätzlich ängstigen und zuweilen Wut, Scham und Überforderung auslösen. Bemerken Sie bei sich eine solche Veränderung, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt und lassen sich etwaige Möglichkeiten aufzeigen. Eine wichtige Behandlungskomponente kann in diesem Fall eine medikamentöse Symptombehandlung durch Ihren Hausarzt oder nahegelegenen Psychiater sein. Darüberhinaus stehen für alle weiteren Anliegen, Fragen und Gespräche die o.g. Beratungsstellungen zur Verfügung. Eine stationäre oder ambulante Psychotherapie sollte, wenn möglich, zusätzlich wahrgenommen werden. 


Aber wenn eine Trauerreaktion „normal“ ist, was steckt hinter der Diagnose einer Depression? 

Bei den typischen leichten, mittelgradigen oder schweren Episoden einer Depression leidet die betroffene Person unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Freud- und Interessenempfinden sowie die Konzentrationsfähigkeit sind herabgesetzt. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über die eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich kaum von Tag zu Tag, reagiert nicht auf sich verändernde Lebensumstände und kann von körperlichen Symptomen begleitet werden, wie Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Ruhelosigkeit, innere Anspannung, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.


Der aktuelle Forschungsstand zeigt: Die Behandlungschancen stehen gut. Eine Kombination aus modernen, klassischen oder pflanzlichen Antidepressiva UND Psychotherapie erweist sich als sehr wirksam. Hier entscheidet jede Person selbst, ob eine Kognitive Verhaltenstherapie (u.a. Bearbeitung negativer Denkmuster) oder Tiefenpsychologische Therapie (u.a. Bearbeitung unbewusster Ängste und Verunsicherungen) zu der Optimierung von Problemlösungen und Erarbeitung neuer Verhaltensmuster führen kann. Ein stationärer Kurz-Aufenthalt in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Rehabililtationseinrichtung kann ebenfalls zu einer deutlichen Verbesserung der Erkrankung führen. Bei schweren Depressionen können darüber hinaus ergänzende Therapien, wie die Schlafentzugs- oder Wachtherapie, Lichttherapie oder eine Elektrokrampftherapie erfolgen. Für Therapiemöglichkeiten informieren Sie sich jederzeit bei Ihrer Krankenkasse. In jedem Fall gilt, dass die Depression eine Erkrankung ist wie jede andere auch. Sie verursacht großes Unbehagen, Schmerz und Leid. Bei Auftreten der o.g. Symptome suchen Sie jederzeit Ihren behandelnden Arzt auf und Sie werden unterstützt.