Psychoonkologie - Was Brustkrebs mit der Psyche macht

Laut Deutschem Krebsinformationszentrum benötigen 47% der Brustkrebspatientinnen nach der Diagnose psychoonkologische Behandlung, während der Krebstherapie 20% der Patientinnen und in der Nachsorge benötigen 15% psychologische Unterstützung. Die Dunkelziffer kann jedoch deutlich höher ausfallen.

Die Diagnose (Brust-)Krebs löst bei den Betroffenen viele Gedanken und Emotionen aus: Familie, Schock, Ehe, Sinnfindung, mögliche Operationen, Hilflosigkeit, eventuelle Hormon-, Chemo- oder Strahlentherapie, die Zukunft, Unsicherheit, Überforderung, Träume, ungewollte Konfrontation, körperliche Veränderungen, Verzweiflung, Intimität, Trauer und Wut, berufliche Veränderungen, Alltag, Freunde.

Wenn das Gehirn mit der gedanklichen und emotionalen Verarbeitung und Regulierung überlastet ist, tritt ein psychischer Schockzustand ein. Diese Krise bzw. der Verlust des seelischen Gleichgewichts ist akut, überraschend und bedrohlich.


Auf folgenden Ebenen verändert sich der Mensch:

  • Psyche: Affektlabilität, Apathie, Wahn, Impulskontrollstörung, pathologische Angst, Depressivität.
  • Verhalten: inadäquates Verhalten, gewohnte Verhaltensweisen werden aufgegeben.
  • Kognition: gestörte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, dysfunktionales bis kein Problemlösen. 
  • Körper (Psychosomatik): Hyperventilation, Dyspnoe, Asthma, Tachykardie, Hypertonus, Durchblutungsstörungen, Durchfall, Ulkusbildung, Rücken- und Kopfschmerzen, Störungen des Immun- und Hormonsystems. 

Mögliche Folgen können sein: Trauma, Angst, Depression.

Ein Trauma kann folgende psychische und physische Symptome hervorrufen: Schuld –und Schamgefühle, Misstrauen, gestörte Intimität, gesteigerte Risikobewertung, vermindertes Selbstwertgefühl, anhaltendes Gefühl eigener Verletzlichkeit, Störungen der Regulation von Affekten und Impulsen, Bewusstseinsstörungen. 

Eine Angststörung zeigt u.a. folgende Symptome: Herz-Kreislauf-Beschwerden, Hypertonus, Schwitzen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Dermatologische Phänomene. 

Eine Angstsituation verläuft zirkulär. Wenn keine Angstreduktion bewirkt wird, endet diese Angstsituation erst nach einiger Zeit mit schwerer Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und weiterer Symptomatik ähnlich einer Depression.



Bei einer depressiven Erkrankung verändert sich bei der betreffenden Person folgendes:

  • Psyche und Kognition: Niedergeschlagenheit, Gefühl der Sinnlosigkeit, verminderte Konzentration & Aufmerksamkeit, Suizidgedanken
  • Verhalten: Sozialer Rückzug, Isolation, Psychomotorische Hemmung, Antriebslosigkeit, veränderte Körpersprache
  • Somatik: Appetitlosigkeit & Gewichtsverlust, Libidoverlust, Schlafstörungen, Sucht

Wie können Sie Ihre Angst reduzieren?

  • Wechseln Sie die „Situation“
  • Liegen in Rücken- oder Seitenlage: ruhige, regelmäßige Bauch- oder Zwerchfellatmung
  • Lippenbremse und/oder Ton beim Ausatmen
  • Atmen mit Pausen
  • Entspannungsübungen
  • Bewegung (Abbau der Stresshormone Adrenalin/Cortisol)
  • Wahrnehmung auf etwas anderes lenken: Rätsel, Zeitschriften, Serie/Film

Eine Psychotherapie fortwährend der onkologischen Therapie zeigt sich, dank mehrerer evidenzbasierter Studien, als sehr bereichernd, beruhigend, reflektierend und schließlich genesend.


Bei einer (adjuvanten) Psychotherapie finden folgende Themen ihren Inhalt:

  • Symptomerleichterung: Coping-Strategien, Problemlöse-Techniken, Optimierung der vorhandenen Lebensqualität
  • Psychoedukation: Entpathologisierung/Normalisierung, Erklärung von Emotionen und Emotionsregulation, Erklärung des Umgangs mit dysfunktionalen Gedanken
  • Kognitionstherapie
  • Rezidivverhütung
  • Zukunftsplanung

Schon kleinste kognitive Techniken wie die Umattribuierung von Empfinden und Emotionen können helfen, sich selbst und seinen Körper besser kennenzulernen und wieder mehr Vertrauen in die psychische und physische Genese zu investieren.


Ein Beispiel für eine dysfunktionale Einstellung kann sein:

  • Ihre Empfindung: Ich bin müde.
  • Ihr Gedanke: Ich kann nichts mehr tun.
  • Ihr Gefühl: Sie fühlen sich deprimiert, hoffnungslos
  • Ihr Verhalten: Sie ziehen sich zurück.

Wenn Sie mit Ihren Angehörigen, d.h. Familie, Freunde und Ihren Kinder über das Thema Krebs sprechen, achten Sie primär auf folgendes:

  • Zeit, Ruhe
  • Eine Information nach der anderen
  • Hat mein Gegenüber Fragen?
  • Kinder altersgerecht und ehrlich mit einbeziehen
  • Eigene Sorgen, Ängste und Bedürfnisse mitzuteilen schafft Klarheit.

Darüber hinaus gibt es viel Unterstützung in der Psychoonkologie. Sie sind nicht allein!

  • Informationsabende – Gehen Sie aufeinander zu.
  • Selbsthilfegruppen u.a. hier im Krankenhaus Landshut-Achdorf
  • Niedergelassene Psychoonkologen, Psychologen/Therapeuten in Landshut und Umgebung
  • Beratung beim Krebsinformationsdienst: Telefon 0800 - 420 30 40
  • www.nakos.de - Diakonisches Werk Landshut: 0871-609114
  • www.inkanet.de - Patiententelefon: 030-88701633 


In akuten psychiatrischen Fällen: 

  • 24-Stunden Seelsorge 0800-1110111/0800-1110222, 
  • Sozialpsychiatrischer Dienst und Psychosozialer Dienst (Hausbesuche), 
  • Psychiatrische Notaufnahme