Die Psyche bei vorzeitigen Schwangerschaftsabbrüchen und Fehlgeburten

In der heutigen Zeit lässt sich durch spezielle Tests immer früher und immer genauer sagen, ob und seit wann eine Frau schwanger ist. Viele Frauen und auch Männer bauen bereits ab dem positiven Schwangerschaftstest eine sehr enge Bindung zu ihrem ungeborenen Kind auf - umso schmerzlicher ist der Verlust des Kindes durch einen vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch. Insgesamt enden ca. 20% aller Schwangerschaften vorzeitig. Findet der Verlust innerhalb des ersten Trimesters statt, so spricht man von einem Abort, danach von einer Fehl- bzw. Totgeburt. Es gibt viele verschiedene Gründe für ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft, am häufigsten sind fehlerhafte Zellteilungen, die eine Weiterentwicklung des Embryos nicht ermöglichen. Auch Infektionen oder Immunreaktionen der Mutter können mögliche Gründe sein. Nur selten stecken ernsthafte Erkrankungen hinter einem vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch.


Auswirkungen auf die Psyche

In jedem Fall ist der Verlust des ungeborenen Kindes eine psychische Belastung für Frauen, aber auch für ihre Partner. Wie schlimm der Verlust erlebt wird, ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren wie Alter, Lebensumständen oder Anzahl vorangegangener Schwangerschaften ab. Viele Frauen reagieren mit Selbstzweifeln, Versagens- oder Schuldgefühlen: "Warum kann ich kein gesundes Kind zu Welt bringen? Was habe ich falsch gemacht? Hätte ich doch nicht zum Sport gehen sollen? Mit mir stimmt etwas nicht!" - Diese Reaktionen sind völlig normal und trotzdem in den allermeisten Fällen unbegründet.

Auch Männer leiden unter dem Verlust, jedoch meist auf eine andere Art und Weise. Sie leiden zusätzlich zum Verlust des Kindes meist auch unter dem Zustand ihrer Partnerinnen und versuchen oftmals für die Frau der starke Gegenpol zu sein und möglichst schnell in einen normalen Alltag überzugehen. 

Alle Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung und Schuld sind normal in einer solchen Situation, aber sie dürfen nicht ignoriert oder bagatellisiert werden. Es kann mehrere Monate dauern, bis der Schmerz und die Trauer erträglicher und weniger werden. Sollten Sie jedoch das Gefühl haben, Ihre Trauer nicht überwinden zu können oder große Angst vor einer erneuten Schwangerschaft haben, so suchen Sie sich bitte psychologische Unterstützung, um einer Entstehung von Depressionen oder einer Angststörung entgegenzuwirken. Auch eine Paartherapie kann hilfreich sein, besonders wenn die Partner sehr unterschiedlich mit dem Verlust umgehen.


Was kann ich tun, um einen Verlust besser zu verarbeiten?

Jeder geht mit einem traumatischen Ereignis anders um und jedem helfen dabei andere Dinge. Folgendes kann dabei helfen den Verlust zu verarbeiten:

  • Über die Trauer sprechen, z.B. mit dem Partner, der eigenen Mutter oder einer guten Freundin
  • Tagebuch schreiben
  • Ein Gedicht verfassen
  • Erinnerungen aufheben, z.B. ein Ultraschallfoto oder ein bereits gekauftes Kleidungsstück
  • Einen Baum oder Blumen pflanzen
  • Sich mit anderen Betroffenen austauschen
  • Eine Selbsthilfegruppe besuchen

 
Weitere Hilfe finden Sie unter anderem auf folgenden Seiten:

www.schmetterlingskinder.de 
www.initiative-regenbogen.de


Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.gynaekologische-psychosomatik.de/themen/nach-fehl-oder-totgeburt 
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/frau8.html 
https://www.stern.de/gesundheit/totgeburt--wenn-eltern-ihr-ungeborenes-kind-verlieren-6607564.html 
https://www.familienhandbuch.de/eltern-werden/schwangerschaft/psych.befindenfehlodertotgeburt.php
https://almutdorn.de/wp-content/uploads/2011/01/Info_Fehlgeburt.pdf 
https://www.welt.de/gesundheit/article152167357/Jede-dritte-Schwangerschaft-endet-mit-dem-Abort.html 
https://www.eltern.de/schwangerschaft/5-15-woche/fehlgeburt.html