Offene Verfahren mit Netz

  • Operation nach Lichtenstein

    Die Operation nach Lichtenstein beschreibt die offene Versorgung einer Leistenhernie mit einem Netz. Der Zugang erfolgt analog zur OP nach Shouldice über einen 5-7 cm langen Hautschnitt in der Leistenregion. Im Gegensatz zur Operation nach Shouldice wird hier die Stabilisierung der Bruchlücke durch Verstärkung mit einem 10x6 cm großen Kunststoffnetz erreicht. Dieses Netz verstärkt das Gewebe in der Leistenregion und deckt die entsprechende Bruchlücke großzügig ab.

    Vorteil: die Möglichkeit der ambulanten Durchführung mitunter auch in Lokalanästhesie, d.h. ohne Vollnarkose. Durch die Verwendung eines Kunststoffnetzes ist das Wiederauftreten von Brüchen sehr selten und das Verfahren kann auch bei Rezidivoperationen oder bei vorangegangener offener Prostataentfernung gefahrlos eingesetzt werden. 

    Nachteil: die erhöhte Neigung zu Serombildung (Flüssigkeitsverhalt). Zudem klagen die Patienten in seltenen Fällen über ein Fremdkörpergefühl. Dieses Problem ist durch die verwendeten modernen leichten großporigen Netze deutlich verringert worden. 

  • Plugverfahren (Rutkow-Plug)

    Bei diesem Verfahren wird durch einen minimal-invasiven Zugang in der Leiste ein speziell geformtes leichtgewichtiges Kunststoffnetz lokal in die Bruchpforte eingesetzt und mittels Naht fixiert. Zusätzlich wird das umliegende schwache Gewebe mit einem zweiten ebenfalls leichtgewichtigen Netz stabilisiert.

    Vorteil: Dieses Verfahren wird vor allem bei der Versorgung von Schenkelbrüchen oder Rezidivbrüchen angewandt. 

    Nachteil: Diese Verfahren ist nicht für alle Bruchformen geeignet. 

  • Open New Simplifyed Totally Extraperitoneal Patchplasty (ONSTEP)

    Bei dieser Technik, die seit 2005 zur Verfügung steht und von uns bereits seit Jahren erfolgreich angewendet wird, kann über einen nur 4-5 cm langen Hautschnitt minimal-invasiv ein modernes selbstaufspannendes Kunststoffnetz (Memory-Ring) implantiert werden.

    Vorteil: Hier erfolgt die Operation minimal-invasiv mit geringem Gewebetrauma unter Schonung der Leistennerven. Die Gefahr der Nervenverletzung, Irritationen durch das Kunststoffnetz und Entwicklung von chronischem Leistenschmerz ist hier sehr gering. 

    Nachteil: Diese Methode kann bei Patienten mit einer vorangegangener Leistenoperation oder offener Prostataentfernung nicht immer angewendet werden. 

  • Transinguinale Präperitoneale Plastik (TIPP)

    Diese Operation vereint die Vorteile der offenen Operationstechnik mit der präperitonealen (vor dem Bauchfell) Netzlage. Hierbei erfolgt ein 4-5 cm großer Hautschnitt in der Leiste, die Position des Netzes in der Bauchwand ist dieselbe wie bei den laparoskopischen Verfahren (TEP, TAPP). Hier werden speziell vorgeformte Kunststoffnetze implantiert.

    Vorteil: durch die Netzlage auf dem Bauchfell ist das Risiko für Irritationen der Leistennerven durch das Netz und die Infektionsgefahr deutlich verringert, auch können Schenkelbrüche durch dieses Verfahren problemlos versorgt werden. 

    Nachteil: gelegentlich Schwierigkeiten bei der Versorgung von Rezidivbrüchen (erneuten Brüchen). Die zeitgleiche Versorgung von beidseitigen Brüchen ist Einzelfällen vorbehalten und wird von uns nicht ambulant durchgeführt. Diese Methode kann bei Patienten mit einer vorangegangener Leistenoperation oder offener Prostataentfernung nicht immer angewendet werden.

  • Narbenhernienversorgung

    Wir verwenden zum Verschluss und Stabilisierung von Narbenbrüchen immer Kunststoffnetze, da eine alleinige Naht aufgrund des instabilen Gewebes nicht ausreichend ist. Dabei ist die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens stark von den individuellen Gegebenheiten, z.B. die Art der Voroperation, Lokalisation und Größe der Narbe, bzw. des Bruches, abhängig. Hier erarbeiten wir nach Kenntnis der individuellen Besonderheiten jedes Patienten einen angepassten Therapieplan. 

    Der Unterschied zwischen den verschiedenen Verfahren der Narbenhernienversorgung ist die Position des Netzes innerhalb der Bauchwand. Die gängigsten Verfahren sind die Operation in Sublay-Technik (unterhalb der Bauchmuskulatur) und das intraperitoneale onlay mesh (IPOM, Netzposition zwischen Darm und Bauchfell). 

    Große Defekte der Muskelhäute (Faszien), bei denen ein direkter Verschluss mit Verstärkung der Bauchdecke nicht möglich ist, erfordern spezielle Verfahren. Möglich ist die Verwendung von speziellen Kunststoffnetzen, biologischen Netzen oder spezielle Bauchwandplastiken (Komponentenseparation nach Ramirez). 

    Die jeweiligen geeigneten Verfahren werden Ihnen selbstverständlich vor der Operation ausführlich erklärt.