Tennisellenbogen/ Epicondylitis humeri radialis

Übersetzt man den lateinischen Ausdruck des Tennisellenbogens, so bezeichnet dieser die Entzündung des vom Oberarm ausgehenden Knochenvorsprunges an der Außenseite des Ellenbogens. Dieser trägt einen Teil der Gelenkfläche des Ellenbogengelenks und dient gleichzeitig als Ursprung der Streckmuskulatur der Unterarm- und Handmuskeln.

Beim Tennisellenbogen handelt es sich um ein Schmerzsyndrom an der Außenseite des Ellenbogens. Als Auslöser der Schmerzen wird eine Überbelastung vor allem der Streckmuskulatur des Handgelenkes und der Finger, die von der Ellenbogenaußenseite entspringen, verantwortlich gemacht. In Bezug auf eine langanhaltende Entzündung im Bereich des Ellenbogens wird auch die Bildung von Entzündungs- und Narbengewebe diskutiert. 
 


Beschwerden

Meist klagen die Patienten über anhaltende Schmerzen im Bereich des knöchernen Vorsprungs an der Ellenbogenaußenseite sowie in der von dort abgehenden Unterarmstreckmuskulatur. Häufig liegt eine mechanische Überlastungssituation zugrunde (z.B. vermehrte sportliche oder berufliche Beanspruchung). Eine Streckung der Finger bzw. der Hand löst dabei die Schmerzen am Ellenbogen aus. Diese können ihrerseits wieder bis in die Hand ausstrahlen.
 


Diagnose

Wegweisend bei der Untersuchung ist die Schmerzlokalisation und die Schmerzauslösung. Bei der Untersuchung durch den Arzt wird zunächst die Lokalisation des exakten Schmerzpunktes durchgeführt. Der Druckschmerz liegt zumeist direkt über dem äußeren Ellenbogenknochen sowie im Ursprungsbereich der von dort zur Hand ziehenden Streckmuskeln. Das Strecken der Hand bzw. der Finger gegen Widerstand führt zu einem charakteristischen Schmerz am Muskelursprung. Auch das passive Beugen der Hand bei gestrecktem Ellenbogen ist schmerzhaft. Weitere Untersuchungen sollten vor allem Erkrankungen ausschließen, die dem Tennisellenbogen ähnliche Beschwerden auslösen können. Hierzu zählen zum einen so genannte Nervenkompressionssyndrome am Arm, bzw. von der Halswirbelsäule ausgehende Nervenwurzelirritationen (Zervikalsyndrom). Diesbezüglich kann auch eine apparative Untersuchung durch den Neurologen erfolgen (EMG/ NLG). Eine mögliche Arthrose des Ellenbogens wird durch entsprechende Röntgenaufnahmen untersucht. Eine Kernspintomographie ist im Regelfall nicht erforderlich.
 


Behandlung

Im Allgemeinen sollte immer versucht werden, die Erkrankung durch eine konservative Therapie zu behandeln. Diese führt auch in einem hohen Prozentsatz der Fälle zu einer deutlichen Schmerzreduktion bis hin zum völligen Verschwinden der Beschwerden. Nur für den Fall, dass ein mindestens sechsmonatiger konservativer Behandlungsversuch erfolglos war, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden.

  • Konservativ

    Folgende konservativen Behandlungsoptionen werden mit gutem Erfolg angewendet: Spezielle Massagetechniken (so genannte Querfriktionsmassage), krankengymnastische Behandlung des Ellenbogens sowie der angrenzenden Gelenke (v.a. der Schulter), sowie das Tragen einer speziellen Ellenbogendruckmanschette (als Epicondylitis-Spange im Orthopädiefachhandel erhältlich). Weiterhin können physikalische Maßnahmen wie lokale Kälteanwendung oder Elektrotherapie, aber auch entzündungshemmende Salben (z.B. Voltarensalbe) die Beschwerden lindern. Bei akuten Schmerzen insbesondere nach Überlastung kann auch einmal eine Ruhigstellung in einer vom Oberarm bis zum Handgelenk reichenden Gipsschiene durchgeführt werden. In besonders hartnäckigen Fällen kann auch eine lokale Injektion von örtlichen Betäubungsmitteln und Cortison durchgeführt werden. Ihre Anwendung sollte jedoch im Regelfall auf drei mal beschränkt bleiben und im Abstand mehrerer Monate erfolgen. Neben den genannten Therapieverfahren werden viele andere Konzepte angeboten: Hierzu zählen beispielsweise TENS-Geräte zur transkutanen Nervenstimulation durch elektrische Impulse, die Ultraschallbehandlung oder die extrakorporale Stoßwellentherapie. Zur Wirksamkeit dieser Verfahren liegen unterschiedliche Untersuchungsergebnisse vor. Sinnvoll erscheint in jedem Fall die vorübergehende Ausschaltung der schmerzauslösenden Ursachen (z.B. sportliche oder berufliche Überlastung) und die Vermeidung von Zwangshaltungen (z.B. am PC durch ergonomische Tastatur etc.).

  • Operation

    Zur operativen Behandlung des Tennisellenbogens werden mehrere Operationsmethoden angewendet. Die häufigsten sind die Denervation nach Wilhelm sowie die Operation nach Hohmann. Das Operationsprinzip bei der Denervation nach Wilhelm ist die Ausschaltung der schmerzvermittelnden Nervenfasern an der Ellenbogenaußenseite sowie eine teilweise Ablösung der Streckmuskelansätze zur Entlastung der Sehnenansätze. Die Operation nach Hohmann beruht im Wesentlichen auf der Ablösung der Strecksehnenansätze. Durch die narbige Verlängerung der Muskelansätze kommt es hier zu einer Zugentlastung und damit zu einer Schmerzreduktion.

Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Operation aus?

Meist erfolgt die Ruhigstellung in einer vom Oberarm bis zum Handgelenk reichenden Gipsschiene für zwei Wochen. Zum Abschwellen des Operationsgebietes kann eine Lymphdrainage in den ersten Tagen erfolgen. Auf eine ausreichende medikamentöse Behandlung der Schmerzen im Operationsgebiet sollte geachtet werden. Nach Abschluss der Ruhigstellung sollte mit einer konsequenten krankengymnastischen Übungsbehandlung begonnen werden.


Wie ist die Prognose?

Bei korrekt gestellter Diagnose zeigt die operative Therapie des Tennisellenbogens sehr gute Ergebnisse und führt meist zur Beschwerdefreiheit.