Sehnenverletzungen

Beugesehnenverletzungen / Strecksehnenverletzungen

Sehnen übertragen die Kraft von den Muskeln auf das Erfolgsorgan, z.B. auf die Hand oder Finger. Die meisten Muskeln für die Funktion der Hand befinden sich am Unterarm, kleine Muskeln für die Feinsteuerung der Finger entspringen in der Hand selbst. Wird eine Sehne durchtrennt oder reißt sie aus anderen Gründen, geht die entsprechende Muskelfunktion, also etwa die Fingerbeugung oder –streckung, verloren.
 


Ursachen

Verletzung

Häufig kommt es durch Schnittverletzungen zur glatten Durchtrennung einer oder mehrerer Sehnen. Aber auch andere Verletzungsmuster, z.B. Quetschverletzungen, können zu Sehnendurchtrennungen führen. Manchmal ist zunächst die Sehne auch nur teilweise durchtrennt, reißt aber dann später bei Belastung vollständig durch. Knochenbrüche können indirekt zu Sehnenzerreißungen führen, wenn sich die Sehnen an scharfen, hervorstehenden Knochenkanten aufreiben. Dies ist besonders häufig bei der Daumenstrecksehne (EPL-Ruptur) nach Speichenbrüchen der Fall. Sehnen können jedoch auch ohne äußere Wunde durch plötzliche hohe Krafteinwirkung reißen. Solche geschlossenen Sehnenrupturen kommen z.B. bei Schlägen auf die Finger oder dem Einklemmen von Fingern vor.


Degenerativ

Insbesondere bei rheumatischen Erkrankungen kann es im Krankheitsverlauf zum Reißen von Sehnen kommen. Ursache ist das beim Rheuma aggressiv veränderte Sehnengleitgewebe,das in die Sehnen hineinwächst und sie auf diese Weise zunehmend schwächt, bis sie meist ohne nennenswerte Gewalteinwirkung spontan reißen.
 


Diagnose

Bei einer vollständigen Durchtrennung einer Sehne kommt es zu einem Funktionsausfall des entsprechenden Muskels. Abhängig von der Verletzungshöhe können jedoch Restfunktionen durch Querverbindungen zwischen den Sehnen erhalten bleiben. Bei Verletzungen der Fingersehnen können diese meist nicht mehr komplett gebeugt oder gestreckt werden, auch die Kraft ist in der Regel deutlich reduziert. Durch gezielte Funktionsprüfung kann häufig schon eine recht genaue Feststellung hinsichtlich der Art der Sehnenverletzung erfolgen. Vor allem bei geschlossenen Sehnenverletzungen sind Röntgenaufnahmen zum Ausschluss eines knöchernen Sehnenausrisses erforderlich. In diesen Fällen reißt die Sehne am Übergang zum Knochen mit einem kleinen Knochenstück aus, welches im Röntgenbild erkannt werden kann. Die Sonographie sowie die Kernspintomographie können in Einzelfällen v.a. bei geschlossenen Sehnenverletzungen Aufschlüsse über die Lage der Sehnenstümpfe liefern. 
 


Behandlung

Beugesehnenverletzungen

Der Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger werden über jeweils eine oberflächliche und eine tiefe Beugesehne gebeugt. Die tiefe Sehne beugt dabei das Endgelenk, während die oberflächliche Sehne das Mittelgelenk beugt. Da die Sehnenstümpfe durch den Zug des Muskels weit ausauseinander weichen, können diese nicht mehr zusammenwachsen. Eine konservative Behandlung ist daher i.d.R. nicht möglich.

  • Frische Beugesehnenverletzungen

    Sind die Sehnen durch einen glatten Schnitt durchtrennt, können die Sehnenenden meist durch eine Naht wieder verbunden werden. Durch den Zug der Muskeln gleiten die Sehnenenden jedoch häufig zurück, so dass sie über lange Schnitte aufgesucht werden müssen. Sind die Sehnen direkt am Knochen abgerissen, werden sie mit speziellen Nähten durch den Knochen angenäht. Ist die Sehne mit einem kleinen Knochenstück ausgerissen, kann diese mit kleinen Drähten oder Schrauben an den Knochen fixiert werden.

  • Alte Beugesehnenverletzungen

    Das Problem bei länger zurückliegenden Beugesehnenverletzungen besteht darin, dass sich die Sehnen zurückziehen und verkürzen und somit nicht direkt genäht werden können. Bei Verletzungen am Finger selbst verklebt zudem meist das Sehnengleitlager durch innere Narbenbildung.

    Wenn das Sehnengleitlager am Finger noch in Ordnung ist, kann eine Wiederherstellung der Sehne durch eine Sehnentransplantation erfolgen.

    Besteht zudem eine Verklebung des Sehnengleitlagers, ist eine Wiederherstellung in zwei Schritten erforderlich. In einer ersten Operation wird zunächst ein Silikonstab eingelegt, um den herum sich ein neues Sehnengleitlager bildet. In einer zweiten Operation wird der Silikonstab entfernt und stattdessen eine Sehne vom Unterarm oder Unterschenkel transplantiert.

Strecksehnenverletzung

Auch hier unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen sowie unfallbedingten und degenerativen Sehnenverletzungen.

  • Frische, offene Strecksehnenverletzungen

    Frische, unfallbedingte Strecksehnendurchtrennungen im Bereich offener Wunden können meist genäht werden. Sollte die Sehne durch die Verletzung verkürzt sein, kann die ursprüngliche Länge durch zusätzliche sehnenverlängernde Eingriffe oder durch Transplantation einer nicht erforderlichen Sehne wiederhergestellt werden.

  • Frische geschlossene Strecksehnenverletzungen

    Diese kommen besonders häufig am Endgelenk der Finger vor und können bei Sportverletzungen oder ganz alltäglichen Arbeiten (z.B. Bettenmachen) auftreten.

  • Degenerative Strecksehnenverletzungen

    Hierunter werden Sehnenverletzungen zusammengefasst, die im Rahmen rheumatischer Erkrankungen oder etwa als langfristige Folge von Knochenbrüchen entstehen. Das operative Vorgehen muss hier der Gesamtsituation angepasst und individuell entschieden werden. Eine direkte Naht der Sehnenstümpfe ist meist nicht möglich. Es kommen unter anderem folgende Verfahren zum Einsatz:

    • Sehnenkoppelung
    • Sehnenverlagerung
    • Sehnenrekonstruktion mit einem Sehnentransplantat