Radiusfraktur/ Speichenbruch

Handgelenksbruch

Bei der distalen Radiusfraktur handelt es sich um einen handgelenksnahen Bruch der Speiche. Die distale Radiusfraktur stellt den häufigsten Knochenbruch des Menschen dar und resultiert meist durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand.

Mit einem Anteil von etwa 20% an allen menschlichen Frakturen und ca. 200 000 Fällen pro Jahr in Deutschland hat die Versorgung der Radiusfraktur eine herausragende Stellung in der Handchirurgie. Betroffen sind besonders sportlich aktive junge Männer sowie ältere Frauen mit Osteoporose.

Meist versuchen die Patienten, einen Sturz mit der ausgestreckten Hand abzufangen. Hierbei überträgt sich die gesamte Wucht des Aufpralls auf das Handgelenk. Die Speiche bricht hierbei an klassischer Stelle (loco typico) ein paar Zentimeter vom Handgelenk entfernt.
Der Patient hat direkt nach dem Unfall starke Schmerzen und kann das Handgelenk kaum mehr bewegen. Abhängig vom Ausmaß der Knochenverschiebung, fällt zudem eine Fehlstellung bzw. Verformung des Handgelenkes auf. Kurze Zeit später entwickelt sich meist eine deutliche Schwellung sowie gelegentlich ein Bluterguss.

Bedingt durch die starken Schmerzen ist eine körperliche Untersuchung meist nur sehr eingeschränkt möglich. Die Röntgenuntersuchung des Handgelenks zeigt meist deutlich den Bruchverlauf. Bei komplizierten Brüchen, die in das Gelenk hineinziehen, wird zudem zur Operationsplanung noch eine Computertomographie durchgeführt.
 


Behandlung

Es lassen sich zwei große Behandlungspfade voneinander unterscheiden. Die konservative (nicht-operative) und die operative Versorgung der Radiusfraktur. Beide Behandlungsformen haben zum Ziel, die anatomischen Verhältnisse des Gelenks weitgehend wiederherzustellen, um bleibenden Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder später auftretenden arthrotischen Veränderungen vorzubeugen. Die Entscheidung, welches Verfahren im Einzelfall das geeignete ist, sollte der Handchirurg im Gespräch mit dem Patienten festlegen.


Konservative Behandlung

Die nicht-operative Behandlung des Handgelenksbruchs kommt vor allem bei einfachen, stabilen Bruchformen zur Anwendung. Hierbei wird zunächst unter Betäubung der Bruch eingerenkt und anschließend in einem Gips ruhiggestellt. Die Gipsbehandlung dauert im Regelfall sechs Wochen, wobei wiederholt Röntgenkontrollen durchgeführt werden müssen, die sicherstellen, dass der Bruch nicht wieder abgerutscht ist. Nach der Beendigung der Ruhigstellung muss eine intensive krankengymnastische Behandlung eingeleitet werden, um die Beweglichkeit des Handgelenkes wiederherzustellen.

Vorteile: Keine operationsspezifischen Komplikationen wie Infektion, Narbenbildung oder die Möglichkeit der Verletzung benachbarter Strukturen wie Sehnen und Nerven.

Nachteile: Lange Ruhigstellungsdauer (sechs Wochen), Gefahr des unerkannten Abrutschens des Bruchs mit bleibender Fehlstellung und späterer Arthrose im Handgelenk, häufigeres Auftreten eines chronisch regionalen Schmerzsyndroms (M. Sudeck)


Operation

Durch die erhebliche technische Verbesserung der zur Verfügung stehenden Verplattungssysteme in den letzten Jahren werden zunehmend mehr Handgelenksbrüche primär operativ versorgt. Hierbei kommen v.a. sogenannte winkelstabile Platten zum Einsatz, die den Bruch so stabilisieren, dass ein späteres Abrutschen des Bruchs nur sehr selten vorkommt. Insbesondere wenn der Bruch in das Gelenk hineinzieht (so genannte intraartikuläre Frakturen), ist eine stabile Fixierung in anatomisch korrekter Stellung zur Vermeidung von Spätschäden dringend erforderlich. Gelegentlich werden abhängig von der Bruchform auch Drähte, Schrauben oder äußere Spanner (Fixateur externe) verwendet. Die oben angeführten Plattensysteme werden meist von vorne (Beugeseite) eingebracht und müssen in der Regel nicht mehr entfernt werden. Eine Entfernung ist jedoch z.B. auf Wunsch des Patienten nach etwa einem Jahr möglich. Nach der Operation wird das Handgelenk für  vier Wochen in einer Schiene ruhiggestellt, wobei jedoch meist schon kurz nach der Operation mit Bewegungsübungen aus der Schiene begonnen werden kann.

Vorteile: Sichere innere Stabilisierung des Bruchs, seltener bleibende Fehlstellungen, früher Beginn mit Bewegungsübungen, früher belastbar, selteneres Auftreten eines chronisch regionalen Schmerzsyndroms (M. Sudeck)

Nachteile: Operationsrisiken wie Infektion, Narbenbildung, Verletzung benachbarter Strukturen z.B. Sehnen oder Nerven.
 


Andere Brüche am Unterarm sind deutlich seltener

Unterarmbruch

Hierunter versteht man den gleichzeitigen Bruch von Elle und Speiche. Der Unterarmbruch tritt meistens im Rahmen eines größeren Unfallgeschehens auf, z.B. Autounfall, und ist deshalb häufig mit Begleitverletzungen kombiniert. Meist liegt eine erhebliche Instabilität und Fehlstellung vor, weshalb Unterarmfrakturen in der Regel zügig operativ versorgt werden.


Ellenfrakturen

Isolierte Ellenfrakturen sind selten. Sind sie nahe am Handgelenk gelegen, stabil und wenig oder kaum verrutscht, können sie konservativ durch Gipsruhigstellung behandelt werden. Bei Instabilen Brüchen oder Brüchen im Schaftbereich ist hingegen eine operative Versorgung meist erforderlich.