Kahnbeinpseudarthrose / Skaphoidpseudarthrose

Die Kahnbeinpseudarthrose bezeichnet den Folgezustand eines nicht zusammengewachsenen Kahnbeinbruchs. Normalerweise bildet sich im Bruchspalt neuer Knochen, so dass die beiden Bruchstücke wieder fest miteinander verbunden werden. Im günstigsten Fall sieht man später auf den Röntgenbildern den ehemaligen Bruchverlauf nicht mehr. Wächst der Knochen jedoch nicht zusammen, wird der Bruchspalt mit Bindegewebe aufgefüllt. Dies hat zur Folge, dass die beiden Bruchenden nicht stabil miteinander verbunden werden.

Das Bindegewebe im Bruchspalt ermöglicht mehr oder weniger ausgeprägte (gelenkähnliche) Bewegungen zwischen den Bruchstücken. Aus diesem Grund wird dieser Zustand auch als Falschgelenk (lateinisch: Pseudarthrose) bezeichnet. Auf Grund komplexer Beziehungen zwischen den Handwurzelknochen steht das Kahnbein unter Spannung. Dies hat zur Folge, dass die Bruchenden gegeneinander verkippen und eine typische Deformität bilden. Den Folgezustand des deformierten, nicht zusammengewachsenen Kahnbeins bezeichnet man als Buckeldeformität (Humback-Deformität). Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Fehlbelastung der Gelenkfläche zur Speiche. Wird die Fehlstellung nicht korrigiert, entwickelt sich eine fortschreitende Arthrose im Handgelenk, die der Reihe nach verschiedene Gelenkabschnitte befällt. In der Handchirurgie wird die Handgelenksarthrose als Folge der Kahnbeinpseudarthrose als SNAC-Wrist (Scaphoid Non-union Advanced Collaps) bezeichnet und in drei Stadien unterteilt.

Ziel der handchirurgischen Behandlung ist es, das Eintreten der Handgelenksarthrose zu verhindern. Dies gelingt nur durch die rechtzeitige operative Entfernung der Pseudarthrose und Rekonstruktion der äußeren Form des Kahnbeins.
 


Symptome

Bei der Untersuchung kann meist ein typischer Schmerzpunkt in der Tabatiere (Vertiefung zwischen zwei Sehnen an der Basis des Daumens, von welcher aus beispielsweise Schnupftabak geschnupft wird) festgestellt werden.
 


Diagnostik

In den Röntgenaufnahmen findet sich ein typischer Spalt zwischen den ehemaligen Bruchstücken. Häufig wird noch eine Computertomographie angefertigt, um das Ausmaß der Deformierung des Kahnbeins (Buckeldeformität) festzustellen. Bei bestimmten Bruchformen, die zu einer Durchblutungsstörung des Knochens führen können, wird auch eine Kernspintomographie durchgeführt.
 


Behandlung

Die Behandlung der Kahnbeinpseudarthrose sollte operativ erfolgen. Unbehandelt führt sie fast zwangsläufig zur Handgelenksarthrose. Ziel der Operation ist die vollständige Entfernung des Bindegewebes (Pseudarthrose) zwischen den beiden Anteilen des Kahnbeins und die Wiederherstellung der natürlichen Kahnbeinform. Dies ist meist nur mit einem Knochentransplantat z.B. aus dem Beckenkamm oder der Speiche möglich.


Operation

Kahnbeinrekonstruktion mit Knochentransplantat und Doppelgewindeschraube:
Ähnlich der primären Versorgung des Kahnbeinbruchs kann die Operation von vorne (palmar/ beugeseitig) oder von hinten (dorsal/ streckseitig) erfolgen. Die Entscheidung hierüber hängt von der Höhenlokalisation der Pseudarthrose ab. Zunächst wird das Bindegewebe der Pseudarthrose vollständig entfernt, bis man auf beiden Seiten gesunden Knochen antrifft. Der entstandene Defekt wird mit Knochen aus dem Beckenkamm oder der Speiche aufgefüllt. Die Entnahme des Beckenknochens erfolgt über einen kleinen Hautschnitt am Beckenkamm mit einer Spezialfräse. Zur Stabilisierung des rekonstruierten Kahnbeins wird abschließend meist eine so genannte Herbertschraube (Doppelgewindeschraube) eingebracht. Diese nach ihrem Erfinder benannte Schraube (Timothy Herbert, australischer Handchirurg) wird vollständig im Knochen versenkt und muss nicht wieder entfernt werden.

Vaskularisierter Knochenspan
In seltenen Fällen mit kleinem körpernahem Bruchstück ist die Durchblutung des Knochens erheblich gestört. In diesen Fällen wird zur Rekonstruktion meist ein Knochenblock aus der direkt danebenliegenden Speiche entnommen, der über kleine Gefäße mit Blut versorgt wird. Durch diesen technisch anspruchsvolleren Eingriff werden die Chancen verbessert, dass sich die Blutversorgung im Kahnbein wieder normalisiert.


Nachbehandlung

In der Regel wird das operierte Handgelenk für sechs bis acht Wochen in einem Gips ruhiggestellt. Sollte sich in den anschließenden Röntgenbildern jedoch keine knöcherne Durchbauungstendenz zeigen, kann die Ruhigstellung bis zu zwölf Wochen betragen.