Chronische Verstopfung und Darmentleerungsstörung – ein zunehmendes Problem

Nahezu jeder vierte Deutsche wird von Darmbeschwerden geplagt. Im Alter nehmen diese Probleme zu und Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Verstopfung (Obstipation) ist durch veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu einem Zivilisationsübel geworden und gehört zu den häufigsten Darmstörungen.

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung meint, an Darmträgheit zu leiden. Viele greifen deshalb voreilig zu Abführmitteln. Schuld daran sind häufig falsche Vorstellungen darüber, wie oft der Darm entleert werden muss. Tägliche "Sitzungen" sind kein Muss. Dreimal wöchentlich kann genauso normal sein wie zwei- bis dreimal täglich. Dabei ist unsere moderne Lebensweise mit der von Naturvölkern kaum noch zu vergleichen. Faserreiche Nahrungsmittel werden durch verfeinerte Kost - wie z.B. fein gemahlenes Brot, Süßigkeiten, Fett, Fleisch und Käse - ersetzt. Ballaststoffe sind aber kein unnützer Ballast - ganz im Gegenteil! Es sind vielmehr natürliche Quell- und Füllstoffe, die im Darm Wasser binden und dabei helfen, die Stuhlmenge zu erhöhen. Dadurch wird die Darmbewegung gefördert und die Stuhlentleerung erleichtert. Das macht sie zu einem der wirksamsten Heil- und Vorsorgemittel gegen Verstopfung und deren Folgeerkrankungen. Ballaststoffe sind vor allem reichlich in Vollkornprodukten (Vollkorn-, Leinsamen- und Knäckebrot, Vollkornmehl, Vollkornteigwaren, Naturreis), aber auch in Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Obst (vor allem Beerenobst) und Gemüse enthalten. Wichtig ist, sich Zeit für den Gang zur Toilette zu nehmen, denn Stuhlgang kann "erzogen" werden.

Das Signal zur Stuhlentleerung sollte in jedem Fall wahrgenommen werden. Und vermehrt körperliche Aktivität bringt die untätige Verdauung ebenfalls wieder in Schwung.

Es gibt aber auch Menschen, die trotz „gesunder“ Lebensweise unter Verstopfung leiden. Sie berichten häufig über ein Fremdkörpergefühl im Enddarm, über unverhältnismäßig starkes Pressen beim Stuhlgang, manchmal sogar über die Unfähigkeit, den Stuhl zu halten. Nicht selten ist es sogar erforderlich,  mit den Fingern nachzuhelfen. In solchen Fällen kann eine Darmentleerungsstörung vorliegen, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Hierzu gibt es spezielle Enddarmsprechstunden, die von derart Betroffenen in Anspruch genommen werden können. Hier wird geklärt, ob es sich um eine Transportstörung des Darmes oder um eine Störung der Entleerung handelt. Bei Frauen kann es z.B. durch eine Senkung der Gebärmutter oder durch eine Beckenbodenerschlaffung zur gestörten Darmentleerung kommen. Der Enddarm kann sich auch ineinander schieben, und regelrecht einklemmen. Eine Stuhlentleerung ist dann nur noch unter extremer Anstrengung möglich.

Mit Hilfe spezieller Untersuchungstechniken kann man in den meisten Fällen eine Klärung herbeiführen. Für viele mechanisch verursachte Entleerungsstörungen gibt es heutzutage moderne, wenig eingreifende Operationstechniken, die eine hohe Erfolgsquote garantieren. Die Behandlung übernimmt in der Regel dann ein Team, das sich aus mehreren Fachdisziplinen (Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Urologie) zusammensetzt.

Die Operationen, die bei dieser Art von Leiden durchgeführt werden, sind die STARR- und die Transtar-Operation.