Wissen

Herzohrverschluss als Alternative zu Marcumar bei Vorhofflimmern

Vor einer Prüfung, beim Treppensteigen oder nach einer Tasse Kaffee: Das Herz schlägt merklich schneller als gewohnt. Bei Aufregung, anstrengenden Tätigkeiten oder nach dem Konsum von Koffein ist plötzliches Herzrasen eine natürliche Reaktion des Körpers und vergeht nach kurzer Zeit von selbst. Treten spürbare Unregelmäßigkeiten des Herzschlags jedoch öfter und ohne offensichtlichen Anlass auf oder schlägt das Herz dauerhaft zu schnell oder zu langsam, kann eine Herzrhythmusstörung vorliegen, die medizinisch behandelt werden sollte.

Vorhofflimmern: Die häufigste Herzrhythmusstörung

Die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen ist Vorhofflimmern. Hierbei entstehen in den Vorhöfen des Herzens zusätzliche elektrische Erregungen, die für Chaos im Herzen sorgen: Der Herzschlag der Kammern ist beschleunigt und unregelmäßig. Die vom Herzen transportierte Blutmenge sinkt, und der Blutdruck fällt ab.

Schlägt das Herz über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder unregelmäßig, kann dies die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) im linken Vorhof begünstigen. Lösen sich die Gerinnsel und gelangen diese in den Blutkreislauf, können sie den Fluss von sauerstoffreichem Blut zum Gehirn blockieren – die Gefahr für das Auftreten eines Schlaganfalls steigt.

Behandlung von Vorhofflimmern

Vorhofflimmern wird in der Regel medikamentös mit sogenannten „Antiarrhythmika“ behandelt – in einigen Fällen kann jedoch auch eine Katheterablation erfolgen: Dabei wird gezielt die Stelle im Herzen verödet, die für die Entstehung des Vorhofflimmerns verantwortlich ist.

Zusätzlich zur Behandlung der Herzrhythmusstörung werden meist blutverdünnende, d. h. gerinnungshemmende, Medikamente (z. B. Marcumar) verabreicht, um der Bildung von Thromben und einem Schlaganfall vorzubeugen.

Eine neuartige Therapieoption stellt seit wenigen Jahren der sogenannte Herzohrverschluss dar. Das linke Herzohr bzw. das Vorhofohr ist eine Muskeltasche, die mit dem linken Vorhof des Herzens verbunden ist. Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist das Herzohr ein hauptsächlicher Entstehungsort von Blutgerinnseln. Mit dem neuen Verfahren ist es möglich, dieses durch ein Implantat zu verschließen. Der Eingriff kann minimal-invasiv über einen Zugang mit einem Katheter erfolgen. Über diesen Katheter wird das Verschlussimplantat bis zum Herzen geführt und im Eingangsbereich des Herzohrs so positioniert, dass dieses verschlossen ist. Hier kann das Implantat dauerhaft verbleiben. Das Risiko für einen möglichen Schlaganfall wird deutlich gesenkt. Diese Behandlung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Patienten während der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente bedeutsame Blutungsneigung zeigen, ein Aussetzen der Medikamente wegen der Schlaganfallgefahr durch Vorhofflimmern aber gefährlich erscheint.

Der Eingriff kann minimal-invasiv über einen Zugang mit einem Katheter erfolgen: Über den Katheter wird das Verschlussimplantat bis zum Herzen geführt und im Eingangsbereich des Herzohrs positioniert.