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Elektrophysiologie: Was sind die Symptome von Herzrhythmusstörungen, und wie werden sie behandelt?

Tag und Nacht. Ohne Pause. Unermüdlich. Unser Herz leistet Beeindruckendes: Drei Milliarden Herzschläge im Laufe eines Lebens, rund 100.000 am Tag. Und solange das Herz gesund ist, bekommen wir davon nicht einmal etwas mit. Ein gesundes Herz schlägt regelmäßig, und zwar 60 bis 80 Mal pro Minute – wenn man sich nicht gerade anstrengt. Der Herzschlag kann jedoch aus dem Takt geraten: Ist die Herzfrequenz dauerhaft unregelmäßig, zu langsam oder zu schnell, spricht man von Herzrhythmusstörungen. Ausgelöst werden solche Veränderungen des Herzschlags beispielsweise durch Erkrankungen wie Bluthochdruck, einen vorausgegangenen Herzinfarkt oder durch angeborene Herzfehler.

Herzrhythmusstörung: ja oder nein?

Trotzdem: Nicht jede Unregelmäßigkeit im Herzschlag bedeutet, dass eine Herzrhythmusstörung vorliegt. Bei manchen ist es die Aufregung vor einem wichtigen Termin, bei anderen die Tasse Kaffee am Nachmittag – einzelne Extraschläge des Herzens sind ganz normal und treten bei fast jedem Menschen auf.

Anzeichen für ernste Herzrhythmusstörungen können beispielsweise Schwindel und Ohnmachtsanfälle sein – diese Symptome treten sowohl bei zu schnellem als auch bei zu langsamem Herzschlag auf. Auch Unruhe, deutlich wahrnehmbares Herzpochen oder häufiges »Stolpern in der Brust« sind Beschwerden, die ärztlich untersucht werden sollten.

Um herauszufinden, ob eine Störung des Herzrhythmus vorliegt, wird meist schon vom Hausarzt ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt: Dabei wird die Schlagfolge des Herzens aufgezeichnet – so kann der Arzt herausfinden, ob der Herzschlag unregelmäßig ist. Gibt es Hinweise auf Veränderungen, kann die weitere Diagnostik und Therapie durch besonders geschulte Spezialisten für Herzrhythmusstörungen – sogenannte Elektrophysiologen – erfolgen. Die Behandlung hängt vor allem von der Art und der Ursache der Rhythmusstörung ab.

  • Vorhofflimmern

    Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, die zu einem unregelmäßigen Herzschlag (Arrhythmie) führt. Außerdem kann Vorhofflimmern die Bildung von Blutgerinnseln verursachen, die einen Schlaganfall auslösen können. Zur Behandlung wird der Herzschlag mit Medikamenten normalisiert, das Schlaganfallrisiko kann durch eine gerinnungshemmende Therapie gesenkt werden.

  • Kammerflimmern und -flattern

    Veränderungen des Herzrhythmus im Bereich der Herzkammern können lebensbedrohlich sein: Bei solchen Rhythmusstörungen gehört deshalb die Implantation eines Defibrillators zur Routinebehandlung. Wenn ein Notfall eintritt, gibt dieser einen elektrischen Stromstoß ab, durch den sich der Herzschlag wieder normalisiert. Solche Geräte können bei schweren Herzerkrankungen auch präventiv eingesetzt werden – bevor überhaupt eine Rhythmusstörung auftritt, wenn die Herzerkrankung des Patienten die Entwicklung einer solchen bedrohlichen Rhythmusstörung wahrscheinlich macht.

  • Zu niedriger Herzfrequenz (Bradykardie)

    Zur Behandlung eines zu langsamen Herzschlags wird oft ein Herzschrittmacher implantiert: Dieser überwacht den Herzschlag und sorgt, wann immer notwendig, durch elektrische Impulse dafür, dass das Herz kontinuierlich weiterschlägt.

  • Zu hoher Herzfrequenz (Tachykardie)

    Gegen anhaltendes Herzrasen können Medikamente eingenommen werden. Wirken diese nicht oder treten zu starke Nebenwirkungen auf, behandelt man solche Herzrhythmusstörungen auch mit Kathetern (Katheterablation). Dabei wird eine feine Sonde in das Herz eingeführt, die die Ursachen der Rhythmusstörung behebt: Krankhafte Bereiche im Herzmuskel werden gezielt verödet, das Herz kann wieder normal schlagen.

Elektrophysiologie und elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

Die Elektrophysiologie ist ein Spezialgebiet der Kardiologie, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen befasst. Eine elektrophysiologische Untersuchung ermöglicht eine gezielte Diagnostik von Herzrhythmusstörungen. Darüber hinaus kann in manchen Fällen direkt im Anschluss die Behandlung mittels spezieller Kathetertechnik erfolgen. Die Untersuchungen werden nur von Kardiologen mit einer speziellen Zusatzausbildung durchgeführt.

Bei einer EPU werden sogenannte Elektrodenkatheter unter Röntgenkontrolle über die Leistenvenen zum Herzen geführt. Über diese Katheter wird das Herz dann mit niedrigenergetischen Impulsen stimuliert. Damit kann das herzeigene Erregungsleitungssystem analysiert werden. In vielen Fällen kann dabei auch die Rhythmusstörung des Patienten gezielt ausgelöst und somit die Art der Herzrhythmusstörung genau diagnostiziert werden. Ein sogenannter „Ablationskatheter“ wird dann genau an die Stelle im Herzen geschoben, die für das Auftreten der Rhythmusstörung verantwortlich ist. Mithilfe des Ablationskatheters wird diese schließlich mit Hitze- oder Kälteenergie gezielt verödet.
Bei komplexeren Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Kammertachykardien kommen zusätzlich dreidimensionale Darstellungssysteme zur Anwendung, mit denen sich die genaue Anatomie des Herzens und der Erregungsablauf gleichzeitig darstellen lassen: das elektroanatomische Mapping-System (Carto XP) oder das impedanzgesteuerte Mapping-System (EnSite NavX).

Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos und werden unter örtlicher Betäubung der Leiste durchgeführt. Eine Vollnarkose ist nur bei Kindern notwendig. Wenn absehbar ist, dass der Eingriff länger dauert, erhalten Patienten zusätzlich ein Schlafmittel.

Nach der Behandlung bleiben die Patienten für ein bis drei Tage zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus. Bei den meisten Rhythmusstörungen kann mit der EPU eine komplette Heilung erzielt werden – die Erfolgsrate liegt bei über 90 Prozent. Bestimmte Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Kammertachykardien bei koronarer Herzerkrankung können wiederkehren, sodass unter Umständen eine erneute EPU vorgenommen werden muss – dies ist bei etwa 20 bis 40 Prozent der Patienten der Fall.