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Carotisstenose, Vorhofflimmern und Co.: Wann das Risiko für einen Schlaganfall steigt

Bestimmte Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Deswegen ist bei diesen Erkrankungen eine intensive medizinische Überwachung und Behandlung der Symptome notwendig.

Wer ist besonders gefährdet und warum?

  • Menschen mit Carotisstenose und erhöhtem Risiko für Gefäßverkalkungen

    Besonders gefährdet sind Patienten mit Erkrankungen, die eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) begünstigen. Dazu zählen insbesondere Diabetiker und Menschen mit deutlich erhöhten Cholesterinwerten. Ein typisches Beispiel für eine Gefäßverkalkung ist die Carotisstenose: Dabei kommt es zu einer Verengung im Bereich der großen Halsschlagadern, die einen Schlaganfall auslösen kann.

  • Menschen mit Vorhofflimmern

    Vorhofflimmern  ist die häufigste aller Herzrhythmusstörungen. Hierbei entstehen in den Vorhöfen des Herzens zusätzliche elektrische Erregungen, die für einen beschleunigten und unregelmäßigen Herzschlag sorgen. Schlägt das Herz über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder unregelmäßig, kann dies die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) im linken Vorhof begünstigen, was zu einer Embolie und somit einem Schlaganfall führen kann. Frauen mit Vorhofflimmern sind stärker gefährdet, einen solchen Schlaganfall zu erleiden, als Männer.

  • Menschen mit Bluthochdruck

    Patienten mit zu hohem Blutdruck haben ein gesteigertes Risiko, eine Hirnblutung zu erleiden. Der hohe Blutdruck führt zu einer Schädigung der Gefäßwand und erhöht so das Risiko, dass diese leichter platzt.



Wie kann man sich vor einem Schlaganfall schützen?

  • Blutdruck senken und Stress vermeiden

    Wer hohen Blutdruck hat, sollte diesen regelmäßig kontrollieren – wenn der Blutdruck zwischen 120/70 mmHg und 140/90 mmHg liegt, ist er gut eingestellt. Patienten mit Bluthochdruck können durch Gewichtsabnahme sowie salzarme Kost zu einem guten Blutdruck beitragen und ggf. sogar mit weniger Medikamenten auskommen.

  • Nicht rauchen bzw. mit dem Rauchen aufhören

    Ein rauchfreies Leben vermindert das Schlaganfallrisiko und hat weitere positive Effekte auf die Gesundheit. Wer es alleine nicht schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, kann im Rahmen einer Raucherentwöhnungstherapie professionelle Hilfe erhalten. Nach einem vorhergegangenen Schlaganfall sollten Nikotinkaugummis, -lutschtabletten oder -pflaster allerdings nicht verwendet werden, da diese zu Gefäßverengungen führen können.

  • Cholesterinwerte senken

    Menschen mit hohen Cholesterinwerten sollten auf eine fett- und kalorienbewusste sowie ausgewogene Ernährung achten, um den Cholesterinspiegel zu senken. Dazu hilft eine Ernährung mit mehr pflanzlichen als tierischen Fetten. Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten sollten sich regelmäßig bei ihrem Hausarzt kontrollieren lassen (anfangs alle zwei bis drei Monate). Ein gut eingestellter LDL-Cholesterinwert liegt idealerweise unter 100 mg% (mindestens aber unter 130 mg%).

  • Übergewicht abbauen

    Ein Risikofaktor für Gefäßverkalkungen (siehe oben) liegt im Übergewicht (Adipositas), da dies häufig zu hohem Blutdruck und/oder erhöhten Blutfettwerten führt. Darüber hinaus erhöht Übergewicht das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine kalorienreduzierte Ernährung hilft beim Abnehmen. Auch das Vermeiden von Einfachzucker (z. B. gewöhnlichem Haushaltszucker) sowie Alkohol unterstützt den Gewichtsabbau. Empfehlenswert ist eine mediterrane Diät mit reichlich Gemüse, Kartoffeln, Nüssen, Fisch und wenig rotem Fleisch. Darüber hinaus hilft regelmäßige – idealerweise tägliche – Bewegung nicht nur dabei, Gewicht zu verlieren, sondern bringt auch den Kreislauf in Schwung.


    Wer an Diabetes erkrankt ist, sollte neben einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung seinen Blutzucker- und Langzeitzuckerwert (HbA1c) je nach Diabeteseinstellung regelmäßig kontrollieren lassen.




CHADS-Score

Mit dem sogenannten CHADS-Score wird das individuelle Schlaganfallrisiko eines Patienten berechnet. Der Wert wird durch das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen bestimmter klinischer Befunde bestimmt:

  • Verminderte Pumpleistung des Herzens (Herzinsuffizienz)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Vorangegangener Schlaganfall
  • Alter von über 75 Jahren

Mithilfe des CHADS-Score ergeben sich auch therapeutische Konsequenzen – so hängt vom individuell errechneten Wert ab, ob eine Blutverdünnung (Antikoagulation) medizinisch empfehlenswert ist oder nicht.


Es gibt einige Faktoren, die das individuelle Schlaganfallrisiko erhöhen. Betroffenen rate ich ganz besonders zu einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung – dadurch können Sie die Gefahr eines Schlaganfalls senken.
Prof. Dr. med. Christian Pehl