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Wann brauche ich ein Kunstgelenk?

Eine Arthrose oder eine Verletzung können das Einsetzen eines künstlichen Hüft-, Knie- oder Schultergelenks erforderlich machen.

Eine Arthrose oder eine Verletzung, zum Beispiel ein Oberschenkelhals-, Schienbeinkopf- oder Oberarmkopfbruch, können das Einsetzen eines künstlichen Hüft-, Knie- oder Schultergelenks erforderlich machen. Durch den Eingriff können unerträgliche Gelenkschmerzen gelindert oder beseitigt werden.
Wenn nach einer Verletzung ein Kunstgelenk erforderlich wird, sollte in der Regel zeitnah (sofort oder innerhalb der ersten Tage) operiert werden.

Der richtige Zeitpunkt für das Einsetzen eines Kunstgelenks bei Arthrose ist hingegen immer eine individuelle Entscheidung. Generell ist die Haltbarkeit der künstlichen Gelenke begrenzt. Zwar sind über 90 Prozent der Patienten auch nach 15 bis 20 Jahren zufrieden und können ein weitgehend schmerzfreies Leben führen, jedoch können in seltenen Fällen auch schwere Komplikationen nach dem Eingriff auftreten. So ist es auch nach vielen beschwerdefreien Jahren möglich, dass sich das Kunstgelenk infiziert und daher nochmals ausgetauscht werden muss. 

Grundsätzlich sollten bei einer Arthrose zunächst nicht operative Behandlungen, zum Beispiel eine Bewegungstherapie, Umschläge oder Medikamente, erfolgen. Wenn diese Behandlungsformen ausgeschöpft sind und der Patient in seiner Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist, ist der operative Eingriff gerechtfertigt. Entscheidend ist dabei der Leidensdruck des Betroffenen und weniger sein Alter.
Das Einsetzen eines Kunstgelenks kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn der Patient regelmäßig erhebliche Mengen an Schmerzmitteln einnehmen muss und sich nur eingeschränkt bewegen sowie nachts wegen der Schmerzen kaum schlafen kann. Nach dem Eingriff können die Betroffenen in den meisten Fällen wieder ein normales, weitgehend schmerzfreies Leben führen und auch leichte Sportarten wie beispielsweise Radfahren oder Wandern durchführen.

Gegen ein Kunstgelenk sollte man sich entscheiden, wenn die Beschwerden noch erträglich sind, Schmerzmittel nicht regelmäßig eingenommen werden müssen und das Gelenk allgemein noch gut funktioniert. Auch sollten grundsätzliche Risikofaktoren operativer Eingriffe, zum Beispiel schwere Allgemeinerkrankungen und Infektionen, berücksichtigt werden. Ein Nachteil eines künstlichen Gelenks ist außerdem, dass es ein Leben lang anfällig für Infektionen ist. Auch lockert sich jedes Kunstgelenk im Laufe der Zeit. Die Abnutzung beginnt mit dem Tag der Operation. 

Die Haltbarkeit des Gelenks hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem davon, wie der Patient mit seinem neuen Gelenk umgeht. Man geht derzeit davon aus, dass 20 bis 35 Prozent der künstlichen Hüft- und Kniegelenke im Laufe des Lebens ausgetauscht werden müssen, wenn der Patient bei der ersten Operation 50 Jahre alt war. Werden die Kunstgelenke im Alter von 60 Jahren eingesetzt, beträgt die Austauschrate 15 bis 20 Prozent. Entsprechend sinken die Austauschraten auf 5 bis 10 Prozent, wenn erstmals mit 70 operiert wurde, und auf unter 5 Prozent bei Achtzigjährigen.
 


Beispiel: Die Behandlung der Arthrose

Eine Arthrose kann das Einsetzen eines künstlichen Gelenks erforderlich machen. Die Ursachen für den Gelenkverschleiß sind vielfältig. Am häufigsten sind die altersbedingte Abnutzung des Gelenkknorpels, die Zerstörung der Gelenke durch entzündlichen Rheumatismus oder verbliebene Gelenkschäden nach früheren Verletzungen. Da eine Heilung der Arthrose nicht möglich ist, erfolgt die Behandlung symptomatisch. Im Vordergrund stehen die Bewegungstherapie und die Kräftigung der gelenkumgreifenden Muskulatur. Es kann sinnvoll sein, die Belastung des Gelenks anzupassen oder auch das Körpergewicht zu reduzieren. Auch kühlende Umschläge (im entzündlichen Stadium der Arthrose) oder Wärmeanwendungen (im chronischen Stadium) können die Symptome lindern. Medikamente helfen zusätzlich gegen Schmerzen.

Mit diesen nicht operativen Behandlungsmethoden können die Beschwerden häufig über viele Jahre gut behandelt werden. In Einzelfällen sind die Möglichkeiten der nicht operativen Behandlung aber bereits nach wenigen Monaten ausgeschöpft. Dann kann das Einsetzen eines Kunstgelenks sinnvoll sein. Grundsätzlich ist die operative Behandlung stets eine individuelle Entscheidung. Bei vielen Patienten gelingt es, bis zum Lebensende auf eine Operation zu verzichten. 

Arthrose (Gelenkverschleiß) an Hüft- und Kniegelenken ist häufig. In Europa und den USA entwickeln 25 Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens eine Hüftarthrose und 45 Prozent eine Kniearthrose. Jeweils 10 Prozent der Bevölkerung erhalten deswegen ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk.