Gesundheit

Schnell wieder fit trotz Bandscheibenvorfall

Bandscheiben sind die Stoßdämpfer unseres Rückens. Was hilft, wenn sich die Bandscheibe verformt und Schmerzen bereitet?

Bandscheiben sind die Stoßdämpfer unseres Rückens. Sie liegen als beweglicher Puffer zwischen den 24 Wirbelknochen und machen dabei circa 25 Prozent der Gesamtlänge unserer Wirbelsäule aus. Sie geben der Wirbelsäule ihre Stabilität, schwächen starke Erschütterungen ab und gleichen Fehlbelastungen aus. Ohne Bandscheiben würden die Wirbelknochen zudem direkt aufeinanderliegen und scheuern, die Beweglichkeit des Rückens wäre stark eingeschränkt und nur unter Schmerzen möglich. Eben diese Schmerzen können ein Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall sein, der heutzutage gut behandelbar ist. Oft wird er aber eher zufällig entdeckt.  


Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Jede unserer 23 Bandscheiben besteht aus einem festen Faserring und einem weichen, gallertartigen Kern. Sie werden nicht über den Blutkreislauf mit Wasser und wichtigen Nährstoffen versorgt, sondern funktionieren ähnlich wie ein Schwamm: Beim Ausdehnen werden Nährstoffe und Wasser aus der umliegenden Gewebsflüssigkeit aufgenommen und beim Zusammendrücken Flüssigkeit und angesammelte Schadstoffe ausgepresst. 

Bei der hauptsächlich verschleißbedingten Erkrankung der Wirbelsäule durchbricht der Gallertkern den äußeren Faserring. Hierdurch verformt sich die Bandscheibe, ändert ihre Lage – fällt also vor – und drückt auf umliegende Nerven oder selten auch auf das Rückenmark.


Wie wird ein Bandscheibenvorfall begünstigt?

Zu einem Bandscheibenvorfall kommt es meistens nach jahrelangem, altersbedingten Verschleiß, denn Bandscheiben werden mit zunehmendem Alter immer poröser.

Auch eine zu geringe Belastung kann einen Bandscheibenvorfall begünstigen: Die Bandscheibe wird durch das wenige Dehnen und Pressen nicht ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt und Schadstoffe verweilen zu lange in ihr. In der Folge trocknet die Bandscheibe aus und wird brüchig – viel schneller als durch natürliche Alterung.  

Starke oder wiederholte Überlastung kann die Bandscheibe ebenso schädigen und zum Einreißen des Faserrings führen. Dabei spielen vor allem Übergewicht oder die Art der Fehlbelastung eine Rolle. Zu einem geringen Teil begünstigt eine erbliche Vorbelastung Schäden an den Bandscheiben. 


Wie merke ich einen Bandscheibenvorfall, und was sollte ich tun?

Die Beschwerden durch den Vorfall können ganz unterschiedlich sein – je nachdem, wie viel des Materials aus der Bandscheibe austritt und in welche Richtung. Dabei äußern sie sich eher ausstrahlend als lokal oder punktuell.

Am häufigsten tritt der Gallertkern in Richtung Lendenwirbelsäule aus. Betroffene spüren die Schmerzen vermehrt in der Gesäßregion und in den Beinen, die mit einem Kribbeln in den Gliedmaßen verbunden sein können. Dieser Bandscheibenvorfall ist weitläufig auch als „Hexenschuss“ bekannt. Seltener geschieht das Austreten in Richtung Halswirbelsäule. Hier strahlt der Schmerz oft in Nacken, Arm, Hand und Hinterkopf aus. 

Besteht der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, können bei leichteren Beschwerden häufig allgemeine Maßnahmen wie Wärme, Hochlagern der Beine und ein Schmerzmittel aus der Hausapotheke hilfreich sein. Sollte es zu keiner Besserung der Beschwerden kommen oder lässt sogar die Kraft in Armen oder Beinen nach bis hin zum Kontrollverlust des Stuhlgangs und Wasserlassens (Stuhl- beziehungsweise Blaseninkontinenz), sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden.
 


Die Behandlungsmöglichkeiten

Viele Bandscheibenvorfälle lassen sich konservativ ohne Operation mit Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Dazu kommen lokale Wärme, das Hochlegen der Beine, zum Beispiel im Stufenbett, oder Physiotherapie. Nur zehn Prozent der Betroffenen müssen operativ behandelt werden. Meistens dann, wenn die konservative Therapie nicht anschlägt oder bei besonderer Schwere der Symptome wie bei Lähmungserscheinungen oder Blasen- sowie Stuhlinkontinenz.

Bei der Operation wird über den Rückenmarkskanal mithilfe eines Operationsmikroskops das ausgetretene Bandscheibengewebe entfernt (mikrochirurgische Diskektomie). Dieses minimalinvasive Verfahren, bei dem nur kleinste Hautschnitte nötig sind, wird unter Vollnarkose durchgeführt. Häufig lassen die Beschwerden bei Betroffenen nach der Operation schnell nach und auch ihre Beweglichkeit kommt zügig zurück, sodass sie nach drei bis fünf Tagen das Krankenhaus verlassen können. Um den Wundschmerz zu behandeln, ist allerdings eine vorübergehende Schmerztherapie notwendig, die ambulant erfolgen kann.
 


Auch wenn eine minimal-invasive Operation eine schnellere Beschwerdeminderung und Mobilisierbarkeit gegenüber der Behandlung ohne Operation verspricht, ist sie nicht risikofrei und sollte mit dem behandelnden Arzt eingehend besprochen werden.
Dr. Christoph Stockmar

Anschlussbehandlung und Nachsorge

In der Regel ist die Prognose eines Bandscheibenvorfalls gut und viele Bandscheibenvorfälle heilen folgenlos aus. Trotzdem sollte auf eine anschließende Rehabilitation nicht verzichtet werden. Dabei wird die Rumpfmuskulatur mithilfe von Krankengymnastik und rückenstärkenden Übungen gestärkt. Außerdem erlernen Betroffene in der sogenannten Rückenschule rückengerechtes bzw. rückenfreundliches Verhalten – auch im Berufsleben. Das ist besonders wichtig, damit das Risiko eines erneuten Bandscheibenvorfalls – auch an den anderen Bandscheiben – deutlich reduziert wird.
 

Dem Bandscheibenvorfall vorbeugen: Was Sie tun können

Eine regelmäßige, ausreichend intensive Belastung, ohne sich zu übernehmen, ist gut für unsere Bandscheiben. Auch Fehlhaltungen und -bewegungen zu vermeiden ist wichtig. Ein Kasten Wasser sollte also nicht vornübergebeugt mit krummem Rücken, sondern aus den Knien mit geradem Rücken angehoben werden. Wer lange sitzt, sollte ab und zu aufstehen, um sich und seinen Rücken zu strecken und zu bewegen. Nachts trägt die richtige Matratze dazu bei, eine ungünstige Haltung beim Schlafen zu vermeiden. Zudem hilft eine gesunde und ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht zu halten.