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Knieverschleiß: Nicht immer muss das gesamte Gelenk ersetzt werden

Ohne Knie könnten wir weder gehen noch stehen. Erkranken sie, schränkt das unsere Beweglichkeit und Mobilität stark ein.

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist nicht nur das größte Gelenk des Menschen, es verbindet auch die längsten Knochen unseres Körpers miteinander, den Ober- und den Unterschenkelknochen. Ohne Knie könnten wir weder gehen noch stehen. Erkranken sie, schränkt das unsere Beweglichkeit und Mobilität stark ein. Umso wichtiger ist es daher, gut auf unsere Knie achtzugeben.

Die Arthrose des Kniegelenks kommt häufiger als jede andere Verschleißerscheinung der Gelenke vor. Dabei wird der Knorpel im Kniegelenk zerstört. Die Knie schmerzen und versteifen im schlimmsten Fall sogar. Betroffen sind nicht nur Ältere – auch bei jüngeren Menschen können Arthrosen im Kniegelenk entstehen. 


Ursachen für eine Arthrose des Kniegelenks

Begünstigt wird die Arthrose im Kniegelenk unter anderem dadurch, dass der Weichteilmantel, der den Druck auf das Gelenk mildern und die Gelenkflächen schützen soll, am Knie nur sehr dünn ist. Auch führt eine prekäre Bandführung des Gelenks schnell zu unfallbedingten Schäden. 

Das Kniegelenk leidet außerdem, wenn jemand ein zu hohes Körpergewicht hat oder das Gelenk zum Beispiel beim Sport überlastet. 

Auch eine Unterforderung des Gelenks kann dazu führen, dass die Muskeln bereits im Alltag nicht mehr in der Lage sind, das Gelenk zu stabilisieren. Auch ohne großen Unfall können sich dann Verletzungen bis hin zum Meniskus- oder Bänderriss häufen. In der Folge entsteht ein kleinerer Knorpelschaden, der sich immer mehr ausweitet. Von außen sieht man dann oft eine O- oder X-Bein-Bildung. 
 


Behandlung von Knieverschleiß: Schlittenprothese

Häufig ist die Knorpelschicht nur an der Innen- oder Außenseite des Kniegelenks abgenutzt. So kommt es zum Beispiel vor, dass sich bei einem Patienten ein O-Bein ausbildet und Schmerzen nur auf der Innenseite bestehen. Einen detaillierten Blick auf die Knorpelsituation lassen dann Röntgenaufnahmen oder Kernspintomografien zu. Wird dabei ersichtlich, dass der Knorpel an der anderen Seite des Kniegelenks nicht beschädigt ist, ist das Einsetzen einer Schlittenprothese sinnvoll. Bei diesem Eingriff bleibt die unbeschädigte Kufe des Kniegelenks erhalten. Mit der Schlittenprothese wird die Fehlstellung wieder ausgeglichen. Das Bein hat dann dieselbe Achse wie vor der Arthrose. 


Zudem bestehen weitere Vorteile: 

  • Der Zugang zum Kniegelenk ist hierbei nur halb so groß wie bei einem Eingriff, bei dem das Gelenk vollständig ersetzt wird. 
  • Die Strecksehne oberhalb der Kniescheibe kann außerdem besser geschont werden. Im Gegensatz zu einem Eingriff, bei dem das ganze Gelenk ersetzt wird, kann sich das Kniegelenk hier schneller erholen, und der Muskel kann im Idealfall wieder so trainiert werden wie vor der Bildung der Arthrose. 
  • Das Körpergefühl und die Möglichkeiten, wieder einen Sport auszuüben, sind besser, wenn eine Schlittenprothese eingesetzt wird. 
  • Risiken und Komplikationen sind geringer, und es ist möglich, dass das Gelenk besser gebeugt werden kann. 
     

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose im Kniegelenk

Wenn jedoch der Knorpel auf beiden Seiten betroffen ist, muss das Gelenk vollständig ersetzt werden, um dem Patienten eine weitere Operation innerhalb weniger Jahre zu ersparen. Hierbei werden beide Kufen ersetzt. Dabei können die Bänder nicht im selben Maß erhalten werden wie bei der Schlittenprothese.

Bei Patienten, die an einem O-Bein leiden, aber noch keinen großen Knorpelschaden haben, kann das Bein auch durch eine sogenannte Umstellungsoperation begradigt werden. Dabei wird der Druck von der jeweils überlasteten Seite genommen. Am Gelenk selbst muss nichts ersetzt werden.
 


Bei einer einseitig auftretenden Arthrose ist der Gesamtersatz des Kniegelenks nicht zwingend notwendig. Hier kann eine Schlittenprothese eine gute und schonende Alternative sein, die aber nicht für jeden gleichermaßen geeignet ist. Wir beraten deswegen jeden Patienten ausführlich, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.
PD Dr. Ernst Sendtner