Microsites - Themenwelten

Knieverletzungen: Welche Behandlung ist bei Kreuzbandrissen und Meniskusschäden sinnvoll?

Eine Verletzung von Meniskus und Kreuzband geschieht häufig durch Verdrehen, zum Beispiel beim Sport.

Der Aufbau des Gelenks ist komplex. Im Gelenkspalt zwischen Ober- und Unterschenkel liegt an der Innen- und Außenseite der Meniskus. Er besteht aus einem speziellen Knorpel und schützt den Gelenkknorpel wie ein beweglicher Stoßdämpfer. Außerdem stabilisiert er das Gelenk. Im Zentrum des Kniegelenks verlaufen das vordere und das hintere Kreuzband vom Schienbeinkopf zum Oberschenkel. Im Kniegelenk überkreuzen sich das vordere und hintere Kreuzband, was zur Namensgebung geführt hat. 

Eine Verletzung von Meniskus und Kreuzband geschieht häufig durch Verdrehen, zum Beispiel beim Sport. Bei Erwachsenen reißt das vordere Kreuzband meist im Bandverlauf. Bei Kindern kommt es häufig zum Ausriss am Knochen. Begleitverletzungen am Innen- und Außenmeniskus, an den Seitenbändern sowie am Gelenkknorpel sind nicht selten. 

Wer sich das vordere Kreuzband bei einem Unfall verletzt, spürt meist zuerst ein Reißen im Kniegelenk. Später schwillt das Gelenk an, Bewegungen und Belastungen des Knies schmerzen. Wenn diese akuten Symptome abklingen, fühlt sich das Gelenk häufig noch instabil an. Bei einer Verletzung des Meniskus schmerzen die Bewegung und die Belastung des Knies an der Innen- oder Außenseite. Das Gelenk kann anschwellen und manchmal nicht mehr vollständig gestreckt oder gebeugt werden. 

Ob eine Meniskus- oder Kreuzbandverletzung vorliegt, kann der Arzt durch Befragung des Patienten und eine klinische Untersuchung feststellen. Um eine Verletzung des Knochens auszuschließen, werden in der Regel zusätzlich Röntgenaufnahmen gemacht. Eine Kernspintomografie kann Verletzungen und Begleitverletzungen sicher nachweisen.
 


Behandlung von Kreuzbandverletzungen

Nicht jede Kreuzbandverletzung muss operiert werden. Die Entscheidung zwischen einer Operation oder einer konservativen Behandlung hängt von vielen Faktoren ab, vor allem aber davon, wie instabil das Knie ist und sich anfühlt. Auch Begleitverletzungen, das Alter, die sportliche Aktivität, berufliche Anforderungen und Vorschäden des Kniegelenks spielen eine Rolle.

Bei einer konservativen Behandlung sind zunächst Maßnahmen sinnvoll, die zum Abschwellen des Gelenks beitragen. Durch Krankengymnastik werden anschließend die Muskeln um das Gelenk gestärkt. Ein weiterer Baustein der Behandlung ist die Verbesserung der Koordination und die Anpassung der sportlichen Aktivität. 

Für die Entscheidung zu einer Operation ist es wie oben beschrieben maßgeblich, wie störend instabil das Kniegelenk ist. Aus Langzeitbeobachtungen weiß man, dass ein instabiles Gelenk zum vorzeitigen Verschleiß von Knorpel und Meniskus führt und sich frühzeitig eine Arthrose entwickeln kann. Da der gerissene Kreuzbandstumpf vom Körper abgebaut wird und deshalb meist durch andere körpereigene Sehnen ersetzt werden sollte, muss man nicht notfallmäßig operieren. In der Regel wird gewartet, bis die Schwellung des Gelenks abgeklungen ist und das Knie wieder ohne Schmerzen bewegt werden kann.
Die Operation wird zum großen Teil in sogenannter arthroskopischer Technik durchgeführt, das heißt, das Gelenk selbst wird bei dem Eingriff nur mit kleinen Hautschnitten von etwa 0,5 cm Länge geöffnet, über die eine Sonde und Operationsinstrumente eingeführt werden. Zum Ersatz des vorderen Kreuzbands werden körpereigene Sehnen entnommen, meist eine Beugesehne von der Rückseite des Oberschenkels. Über Bohrkanäle im Ober- und Unterschenkelknochen wird das Sehnentransplantat in das Gelenk eingezogen und mit Schrauben und Seilzugsystemen befestigt, die später nicht wieder entfernt werden müssen. Eventuelle Begleitverletzungen am Meniskus und Knorpel werden in derselben Operation behandelt. 
 


Behandlung von Meniskusverletzungen

Auch bei Meniskusverletzungen ist nicht in jedem Fall eine Operation erforderlich. Die Entscheidung zwischen einer Operation oder einer konservativen Behandlung hängt auch hier von vielen Faktoren ab. Wenn keine anhaltenden Schmerzen vorliegen, das Knie problemlos bewegt werden kann und es nicht geschwollen ist, muss nicht operiert werden. 

Umgekehrt ist eine Operation bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen und Einschränkungen der Beweglichkeit sinnvoll. Die Operation wird heutzutage ausschließlich in arthroskopischer Technik durchgeführt, das heißt, das Gelenk selbst wird bei dem Eingriff nur mit kleinen Hautschnitten von etwa 0,5 cm Länge geöffnet, über die eine Sonde und Operationsinstrumente eingeführt werden. 

Welche Art der Operation vorgenommen wird, hängt von der Rissform sowie dem Alter der Verletzungen des Patienten ab. Nur längsverlaufende Risse am Meniskusrand sind geeignet für eine Meniskusnaht, da der Meniskus nur in diesem Bereich durchblutet ist und heilen kann. Die meisten Meniskusrisse liegen aber außerhalb des durchbluteten Meniskusanteils. In diesen Fällen muss der instabile Meniskusanteil entfernt werden. Dabei gilt das Prinzip: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich, damit die Stoßdämpferfunktion des Meniskus möglichst wenig beeinträchtigt wird. 

Eine Meniskusoperation wird meist ambulant durchgeführt. Nur bei einer Meniskusnaht sind eine Ruhigstellung und Krankengymnastik erforderlich. Nach einer Teilentfernung des Meniskus können die alltäglichen Tätigkeiten in der Regel nach zwei Wochen wieder aufgenommen werden. Sport ist nach etwa sechs Wochen wieder möglich.
 


„Oft wird angenommen, dass bei einer Meniskusverletzung in jedem Fall eine Operation notwendig ist – das stimmt so aber nicht. Für die Entscheidung muss immer einbezogen werden, wie stark die Verletzung ist und auch welche Vor- und Nachteile für den Patienten durch die beiden Behandlungsalternativen entstehen. Wir beraten deswegen jeden Patienten ausführlich, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erreichen!“
Dr. Hermann Albersdörfer